|
Fünf Akte (fast) ohne Sex. Ein Drama in zwölf oder weniger höchst undefinierbaren Sequenzen, denen jegliche Ernsthaftigkeit nur fehlen kann, weswegen es mir auch, quasi vergnügt, aus der Seele schreit.
Anm. des Verfassers: Dieses kurze Sück erahnter Geschichte, sofern sie denn kurz bleiben muß, ereilte den Verfasser eines Morgens in seinem Bett kurz vor dem Erwachen, denn dort sind die Visionen am stärksten und wenn man ihnen folgt, dann kann selbst der geneigte Leser noch etwas über sich erfahren, wenn er denn möchte und sofern er denn gewillt ist, die Geborgenheit seiner Täuschung zu sehen. Vorausschauend soll hier der Ehrlichkeit halber auch noch gesagt sein, daß dem Autor, laut Meinung der gängigsten Literaturkritiker, die Gabe zusammenhängender Erzählkunst unlängst aberkannt wurde. Zwei Seiten am Stück, höchstens, hat mal jemand zu ihm gesagt, - und dann streichen wir die Hälfte weg. Diesen brauchbaren Rumpf, dieses fleischlose Gerüst aus knöchernen Buchstaben, die sich hernach erst recht wie die Runen der Hebräher lesen würden, ändern wir dann insofern ab, als daß er gesellschaftsfähig wird. Auf diese Kritik kann der Autor aber nur stolz sein, beweist sie ihm doch die Macht dieser allseits bestrittenen, weil gefürchteten Gefühle. Was ist denn Literatur Anderes, als seiner eigenen Spur mit eigenen Worten zu folgen? - ganz gleich in welche Richtung es geht? Und mag ich auch tatsächlich verrückt sein, so leide ich unter der Verrücktheit des Verhaltens meiner frühen Umwelt und kann gar nicht anders, als alles aufzuschreiben, bevor mich die Verrücktheit noch überrennt. Geht ihr denn nie wach durch dieses Leben? Es würde euch erschauern, tätet ihrs, wie ich es muß. Träumt ihr denn nie? Wie Tassos und Septus einander nicht sahen
Und es geschah an dem entfernten Tage, als die Sonne einmal hoch am Himmel stand, vor über zwölftausend Jahren. Und Wolken, dunkelweiß, flogen vereinzelt wie die Wolle frisch geschorener Schafe übers meerblaue Firmament, gar lau blies oft der Wind.
Ringsum roch es nach Lavendel, Oleander und besonders nach Jasmin, ein Umstand, der indes kaum dazu geeignet erschien, das Wunder des Lebens, als solches, hinreichend zu erklären, denn, und auch daß soll nicht unerwähnt bleiben: Jasmin wusch sich praktisch nie. Darüber wunderte man sich allenthalben. Jasmin war eben eine Wunderpflanze..... STOP!Anm. des Verfassers: Der Verfasser möchte sich angesichts der ungeheueren Komplexität der Vorgänge, auch jeweils erklärend in die Rahmenhandlung einblenden. Diesen Anspruch gönnt der Autor dem Verfasser sehr und dafür hat dieser sich unlängst sogar per Handschlag bei ihm bedankt. Zwischenspiel Der Patient: Herr Doktor!, ich bekomme seit Tagen keine Luft mehr. Der Doktor, (vorläufige Diagnose stellend): Machen Sie mir doch nichts vor! Was Sie sehen, höre ich schon lange. Wenn Sie keine Luft mehr bekämen, dann wären sie längst tot und lägen, in glücklichstem Fall, womöglich ausgestreckt und völlig entspannt auf dem Teppich. Jeder Zweite, den ich behandel, darf sich heutzutage selbst in der Öffentlichkeit, nicht ohne daß ich ihm dabei tröstend durchs mitunter schüttere Haar fahre, als potentieller Simulant bezeichnen. Ich kenne Menschen, auf deren Beerdigung ich tief in ein Taschentuch schnäuzte. Einige dieser Menschen begrüssen mich selbst heute noch freundlich auf der Strasse. Es ist gerade so, als wollten sie mir sagen: "Ätsch! ich habe meinen Krebs doch noch besiegt!" Das muß doch mißtrauisch machen! Warum schuffte ich mich hier eigentlich so ab? Sie machen ja doch, was Sie wollen. Ich bin quasi gezwungen, Sie Krankzuschreiben, sehe mich auf Grund dieser prekären Lage auch oft genötigt, ihnen, da ich ja gar nicht weiß, woran Sie wirklich leiden, teuere Medikamente zu verschreiben, die allerdings womöglich nur Ihnen Schaden zuzufügen im Stande wären. Bleibt nur die Frage: "Wer simuliert hier eigentlich? Sie, oder ich. Ach, was rede ich da. Sie bringen mich noch ganz durcheinander". Der Patient: Aber Herr Doktor! Unser Verhalten beruft sich doch auf eben diese Einigkeit! Ich hab meine Ruh vor der Arbeit und Sie bekommen ihr Geld". Der Doktor, (wahrhaftig diagnostizierend): Sie leiden unter diabolischer Pneunomie. Sie brauchen dringend ein neues Denkzentrum. Selbst führende Akademiker der Antike wußten von nichts. So war die Welt, und dorthin wollten alle zurück. Wie der Schwarze einmal kurz Leben in sich spürte Eines Tages, der Mond schien heller vom Himmel als die Sonne, war der Sohn urplötzlich zum jungen Manne herangereift und Tassos bekam unendliche Angst vor der Wahrheit. Oft sah er grelles Licht wo gar keines war, oft wähnte er sich in lausiger Nacht selbst bei hellichtem Tage. "Woher komme ich?", fragte der pechschwarze Jüngling Namens Septus den Tassos in der Tat eines verregneten Sonntages, während er sich die Schuhe verstohlen zu gordischen Knoten band. "Wieso fragst du?", entgegnete Tassos da, wobei ihm vor abscheulichem Entsetzen eine Kontaktlinse aus dem Auge sprang, " du weißt doch, daß du aus Tassmalia kommst!" "Du kommst jedenfalls nur aus den weißen Flächen meiner Hand", sagte der Jüngling, "wo ist das Schwarze an dir?" "Du willst doch nicht etwa behaupten....!!", schrie Tassos sein vermeintlich eigen Fleisch und Blut an. "Genau das will ich behaupten", erwiederte der Jüngling gelassen und irgendwie wollte Tassos erfrieren, wäre er nicht schon seit Urzeiten erfroren gewesen. Da sank der König weinend auf die Knie und wand sich in unsäglichem Schmerz, und schwarze Wolken zogen auf und brachten Unwetter und Plagen über das Land, und ein ungnädiger Wind begann alsbald sehr forsch zu wehen, der Tassos Mähne im nu als Skalp am nächsten Baume hängen ließ. "Verzeih mir! verzeih mir!, oh bitte verzeih!", schrie Tassos mit allerletzter Kraft, "sei mir nicht böse, daß ich dich nicht gesehen habe all die Jahre! Ich würde es nicht überleben!" "Ich kann dir nicht verzeihen!", schrie der Jüngling den Tassos an, "ich bin erblindet, ob deiner Boshaftigkeit, die nur die Kehrseite deines Gekränkt-Seins ist! Nun ist deine Schwäche auf sehr schicksalhafte Weise jetzt auch zu meiner Stärke geworden. Dein Implantat wirkt zurück und erbastelt sich ein Bild von der Welt, das so ganz und gar von deiner Art ist. Du hast Dir deinen Feind selbst erschaffen, nicht dadurch, daß du ihn erschaffen hast, sondern durch die Art wie du ihn behandelt hast. Du hast ihm schon sehr früh die Augen ausgestochen, auf daß er lediglich in der dritten Person Singular von sich würde sprechen können, hätte ER sich nicht wenigstens einen winzigen Spalt, nämlich den eines Sehers offen gehalten. Du warst die Peitsche und ich der Kreisel. Bunt wie ich brummte, flog ich umher. Rotation! Was für ein Wort! Man sieht die eigene Hand vor Augen nicht mehr, zerspringt in aberkleinste Partikel und wird in diesem Chaos der Zerpflückung ständig zur Ruhe ermahnt. Das Schicksal hat sich erfüllt. Das Kind in mir ist zum Denker geworden. Es stellte soeben fest: "Mein Leben ist eine Ausrede. Ich weiß um die Feigheit meiner frühen Welt und darf sie nicht beschimpfen." Das ist der Horizont, über den ich nicht hinauskomme! Ich bin, so gesehen, Gottgewollt, nun ein braver Mensch, drehe mich wie wild sehr flächig im Kreis herum und suche die Lösung im Kopf, der allerdings nur Kanten und Ecken hat und womöglich auch deswegen fast keine Haare mehr auf ihm zu finden sind, wobei ich, nach all diesen Jahren rein - geistigen Erfahrens der Welt, nur zu dem Schluß kommen kann, daß die größten Existenzphilosophen im Grunde die ärmsten Schlucker sind. Die nur-Kopf-Betrachtung infolge zwanghafter Relativierung des einst bäuchlings Erfahrenen, schafft im glücklichsten Fall eben nur den oft tröstenden Nebel der Philosophie herbei. Wer gut damit leben kann, dem sei es gegönnt. Mich selbst als Opfer, nicht bloß in der Phantasie zu sehen, fällt mir unglaublich schwer. So sehr war ich abhängig von meinen Hassern, die ich so liebte. Mein Lob geht nun von Dichter zu Dichter. Man sehe in ihm, was man wolle. Schön, daß er nur dichtet. Hab also keine Angst, lieber Schein- Vater. Ich werde mir, zur Kühlung der Sinne großzügig frisch geschnittene Kartoffelscheiben auf die Augen legen, falls es mal wieder ernst zu werden droht. Das würde ich selbst auch dann tun, wenn ich mit Bestimmtheit wüßte, daß die im Saft der Kartoffel enthaltene Stärke auf Grund ihrer gerinnenden Wirkung ein Verkleben der Lider unumgänglich machte. Dein Reich will ich sehr wohl schonen, so wie du es von mir verlangtest all die Jahre. Noch ist Platz auf dieser Welt, wenn auch nicht für mich, so doch wenigstens für das Implantat deiner-nicht-selbst in mir. Ich werde ein eigenes Reich gründen, um dem Konflikt mit dem alten zu entgehen, wobei, ha!, und das will ich dir sagen, er so zum ständigen Konflikt der Gegenwart mutiert, weil, ich kann dich einfach nicht leiden sehen und würde auch daran zugrunde gehen, würde ich dich letztendlich doch noch töten, um mich endgültig von deiner Herrschaft zu befreien." Du wirst ins Unglück stürzen, genau wie ich!", sagte Tassos und schwang sich erbettelnd an die Hüfte des Jünglings. "Ich kann es nicht, ich kann es nicht, ich hab eine solche Wut auf dich, und, je größer die Wut auf dich ist, desto größer wird meine Angst und je größer die Angst, desto größer die Wut! Und, weil all das so groß ist, die Angst und die Wut, muß ich sie beide ersticken Das ist es, was mich so oft nicht verzweifeln läßt! Und weil ich nicht an dir verzweifeln kann, sondern es allein an der Familie, die ich gründen soll könnte, damit dieses Leid endlich seine Entsprechung fände, ja weil ich beides nicht kann, weil das Leben ja schützenswert ist, so schützenswert, daß Schweigen wie selbstverständlich vor der eigenen Wahrheit kommt, so wird es noch Hoffnung geben. Das ist es doch, ja das ist dieser schwammige Grund, auf dem ich hier so sinnentleert herumtorkele in meiner widerborstigen Sturheit des Friedens, der Freude und des Eierkuchens", entgegnete der Jüngling, und es öffnete sich das Stadtor von Tassmalia, vor dessen Pforte sie standen. Und tausend Pferde mit Raubrittern bestückt entschwanden schnaufend in die sprachlose Nacht. Anm. des Verfassers: Daß Nächte nicht sprechen können ist dem Autor womöglich unlängst bekannt geworden. Das Manuskript durfte ebensowomöglich auch nicht mehr geändert werden. Wie gerne hätte er ebendeswegensowomöglich SPRACHLOS durch DUNKEL ersetzen wollen, oder hätte anstatt Eierkuchen, viel lieber Nichts geschrieben? Sich ganz aus der Verantwortung zu ziehen, dazu fehlte ihm wohl die nötige Kraft, und wäre ihm diese Kraft zuteil geworden, dann lebte er noch heute. Wenn er das nur vorher gewußt hätte! Er hofft nun vielmehr auf die Phantasie, so auch auf die seiner Leser. Er selbst wird sich über selbige wohl kaum beklagen können. Was meint ihr? Da sprang Septus auf, packte eines dieser Pferde beim Schopf, riß es zu Boden, verstrickte sich in einen irrsinnigen Kampf mit dessen Reiter, den er schließlich gewonnen glaubte nachdem er den Ritter durch dessen Rüstung hindurch mit bloßen Händen erwürgt hatte, schwang sich auf das erbeutete Pferd und folgte diesen Prälaten des Grauens in sein durch Prägung vorbestimmtes Schicksal. Zwischenspiel A: Glaubst du denn, daß der Jüngling im Leben je zu etwas kommen wird? B: Nein; er soll ja schließlich zu nichts kommen. Er soll es zu etwas bringen, worauf wir stolz sind. Hernach wollen wir ihm mit geballten Fäusten lobend durchs zitternde Haar fahren, worauf er sich schon etwas einbilden wird. A: Ja glaubst du denn nicht, daß man ihm damit etwas stiehlt? B: Iwo, Rache kann nicht schädlich sein - wenn man sie denn gut verkleidet. Menschen wie ihn muß es geben, sonst wäre das Leben nicht lebenswert. C: Ich glaube fast, die Bibel muß jemand von ihrem Schlage geschrieben haben. Y: Ja, ziemlich pathologisch das alte Testament, aber jeder hat etwas davon in sich. Der Eine mehr, der Andere weniger. Mein Vater ging schließlich auch nur in die Kirche, weil er wissen wollte in welchem Maße auf ihn die Schuld zutraf, die man ihm aufgebürdet hatte. Mit seinem Hass auf alles Lebendige kam er nicht klar. Mein Vater litt sehr unter seiner anerzogenen Urschuld, meine Mutter noch viel mehr. ZPK: Wer versteht diese Not? 14 K7: Nur der, der sie letztendlich verursacht hat. 1K-4: Gott? E12 (ohne Leerstelle): Denk nach! E605: Weisheit kommt ja gar nicht von Oben! Wie Septus hochwohlerzogen durch das fremde Leben schritt Und Septus, man glaubt es kaum, gedieh prächtig! In Sieben Jahren waren die Ritter gleich besinnungslosen Bersärkern fünf mal um die Welt geritten, hatten gebrandschatzt und gemordet wo immer man es zuließ. Septus fühlte sich geborgen und sicher in diesem wilden Haufen Abtrünniger, denen es alleine darauf ankam, sich ihre Freiheit unbeholfen durch Einflößung von Respekt zu verschaffen, zumal man hier allgemein wie persönlich die Immunität der Anonymität sichtlich genoß. Dank dieses kollektiven Mordens und Hinrichtens war es ihm endlich möglich geworden seinen verbotenen Hass auf Tassos ungestüm auszuleben, ohne daß sein König-Vater darunter leiden mußte. Die Fähigkeit zu lügen ging diesen Männern vollkommen ab. Hier wurde, warum auch, in der Regel nicht gesprochen, und wenn dann doch einmal etwas gesagt werden mußte, dann ging es sich des Abends am Lagerfeuer dieser verarmten Raubritter allein um ihre Sehnsucht nach Befreiung aus ihrem Joch, die sie mit jedem Tage, mit jedem Mord ein wenig mehr zu genießen lernten. Optionen gab es also zwei: Frei sein und leiden, oder saufen und morden. Aber man wollte ja nicht verloren sein. Ein Feind, ein Feind, ich brauche einen Feind!, so schallte es aus den Löchern diverser Würfe des "Maulīs". Bevor man sich schlagen ließ, schlug man lieber zurück. Dass man im Grunde schon erschlagen war, war allgemein nicht bekannt, oder wurde nicht zugegeben. Wer schwach war, flog raus, gnadenlos. Zum Leiden blieb keine Zeit. Das ist selbst heute nicht anders. Anm. des Verfassers: Die Ursache hierfür ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine genetisch bedingte Verirrung! Da das Erbgut nun endlich entschlüsselt ist, kann man jetzt auch bewiesen sagen, daß die Ursache hierfür auf Gen 13 liegt. Die Männer der Stunde gerieten in Aufruhr. Einer hatte einen Leberfleck auf der Nase, worunter er sehr litt. Ein Anderer hatte eine Frau, die zu sogenannter Zickerei neigte. Klein Emil hatte ein Meerschweinchen, dem immer die Haare ausfielen. Ihnen allen konnte jetzt endlich geholfen werden! Wie gerne griff man nach den Sternen wenn die Hoffnung schwand. Weit weg von sich waren die Männer und hilflos und arm. Ihre Geschichte war längst geschrieben, aber man kümmerte sich nicht darum. So schrieb sie sich denn weiter. Anm. des Verfassers: Der aufmerksame Zeitgenosse mag sich vielleicht noch entfernt an den Klang verstimmter Gitarren erinnern, die zum Weglaufen geradezu einluden, da sie eher dazu geneigt erschienen, das Lagerfeuer, um welches herum man sich zu was auch immer versammelt hatte, auszublasen. Ich scheiterte damals, ob meiner Flausen im Kopf, an Birgit. Zu viel Geist ist eben nicht gut bei den Damen und da haben sie zweifellos recht. Meinen Geist zu dosieren galt es also erst noch zu erlernen. Sich hinzugeben ist jedem Eroberer ein Greuel. Wenn sie beispielsweise in entlegene Bergdörfer kamen, so schnitten sie nach Belieben selbst den Puppen der Dorfkinder die Köpfe ab, steckten sie siegesbewußt auf die Spitze ihres Speeres und trugen sie, als mahnendes Beispiel, vor den erstarrten ungläubigen Blicken ihrerselbst ganz offen zur Schau. Nun waren aber all die Blicke der Männer gleichermaßen erstarrt wie ungläubig. Die Männer waren sich einig bis aufs Blut. Nicht zu sehen, was sie sahen, bereitete ihnen nachgerade Kummer, aber da sie es eben nicht sahen, waren sie glücklich und ließen geschehen. Zwischenspiel A: Warum läßt man die Kinder nicht leben? B: Weil man nicht an den Verlust seiner eigenen Lebendigkeit erinnert werden möchte. A: Hast du selbst Kinder? B: Ja, zwei, der eine ist ein Sohn, das andere wohl eher ein Mädchen. A: Liebst du sie? B: Ja, fast abgöttisch. A: Bist du dir sicher? B: Ja, denn wenn ich sie schlage, tut mir hinterher die Hand weh. C: Ich dachte immer: LIEBE GEHT DURCH DEN MAGEN. B: Da hast du dich wohl vertan, (Leider viel zu oft gehört) Einmal, es war an einem Freitag während einer kurzen Rast inmitten der Wüste Sinai, dort auch, wo die Männer am Vortage ihre Säbel in Ermangelung verfügbarer Opfer dem Irrsinn nahe so oft in den heißen Sand stachen, daß deren Klingen verglühten, sah sich der Anführer der Meute, ein hageres Männlein Namens OHWEH, weil er auf Gund seiner Weisheit ja wußte, daß nicht jeder, der sein Schwert im Sand zum glühen bringt gleich seines Glückes Schmied ist, dazu veranlasst, demokratisierend in sein Volk einzugreifen, um es vor dem wohl offensichtlich aufkeimenden Bedürfnis nach Selbstvernichtung zu bewahren. OHWEH schritt Zepterschwingend und in vollem Bewußtsein seiner Größe an sein Volk heran, wobei ihm der Zepter nach dem zweiten Schwung in hohem Bogen entglitt, er hernach derart erhoben war und von göttlicher Ehrfurcht getränkt schien, vergleichbar jener eines Kasperles, der den Räuber zu besänftigen versucht, und machte böse Miene zu ernstem Spiel. Die Männer zuckten zusammen. Viele sanken darnieder auf ihre Knie, die ungeschützt so tief im Sande versanken, daß bald nur noch die Köpfe einiger dieser Weicheier daraus hervorlugten. Der Eine, der den herunterfallenden Zepter abbekam, brach gar völlig zusammen und war auf der Stelle tot. "Ein Märtyrer, er ist ein Märtyrer!", schrie ein Wicht, der in weiße Laken gehüllt schon seit geraumer Zeit wie sinnlos um das Lagerfeuer lief. Man mochte ihn für blöde im Kopf halten, womöglich war er das auch, womöglich aber auch nicht. Der kleine Wicht trug jedenfalls einen Zauberhut von dessen Spitze so eine Art Leuchtturmartiges Licht versprüht wurde, das sich hypnotisch über die Augen des Volkes legte. Und die Männer warfen sich geschlossen zu Boden. Einer fiel über den Anderen, nicht um ihn zu schützen, sondern über ihn zu herzufallen. Es gab welche, die gerade an einem Teller Sand schlürften, in dem ihre Köpfe, nachdem sie samt Teller zu Fall gebracht waren, darin wohl tief versanken, woran sie erstickten. Es gab auch welche, die sich weitaus besser auf dieses historische Ereignis vorbereitet hatten, historisch deswegen, weil OHWEH fast ständig unter ihnen weilte, man ihn kaum aus den Augen bekam, er das Volk unablässig überforderte, ihm Riten und Mythen aufzwang wie diese, die zumeist eine allgemeine Hysterie hervorriefen, wobei sie allerdings scheinbar von keinem als solche erkannt wurde. OHWEH trat nun an das durch ihn sichtlich verunsicherte Volk heran, trat näher und näher, trat sich dabei zwei mal auf die Füße, sofern sie ihm noch gehörten, kam mindestens einmal übel zu Fall, sofern er sich noch daran erinnern konnte, was, bezogen auf ihn, niemals etwas mit Ungeschick zu tun hätte haben können, da man ja allgemein der Auffassung zu sein schien, das Ungeschick als Solches schon vor Urzeiten aus dieser Welt verbannt zu haben weil man sich hier allein unter Androhung der Todesstrafe von seinem verächtlichen Ungeschick zu befreien vermochte. Es war aber nachgerade heiligste Pflicht, in allen Dingen geschickt zu sein. Es war ein Zittern um sein So-Sein, ein irrsinniges Ringen, ein ständiger Kampf um die Geschicklichkeit kam in trab, obwohl man wußte, daß darauf der Tod stand. Seither schlagen sich die Individualisten die Köpfe ein, wenn der Eine das Geschick des Anderen gerade mal nicht hat. Der Geschickteste war befohlen OHWEH. Wenn er sich einen Finger abschnitt, so schlug sich der Vizepräsident zwei ab, der Außenminister entledigte sich gar seiner völlig intakten linken Hand. Die Allergeschicktesten aber waren im Volke zu finden. Sie schlugen sich, wie bereis erwähnt, folgerichtig, gegenseitig die Köpfe ab. So gab es denn hier bald auch kein Ungeschick im herkömmlichen Sinne mehr, nein nein. Diese widrigen weil hierzulande ganz normalen Umstände führten zum Ungeschick par Excellance. Es gab nur Ungeschickte, denn jeder Versuch, Geschick zu beweisen, hätte ja, (und ich sage es nochmal), nach dieser Gesetzesauffassung den Tod bedeuten können. Die Allmacht OHWEH`S tat ihre Wirkung. Resümierend wäre vielleicht anzubringen, daß OHWEH im Grunde nur wünschte, sein Volk bliebe dumm bis ans Ende aller Tage. Dumm und gescheit verschmolzen hier zu einem Wort: DUMMGESCHEIT. Die sinnlose Suche nach dem UR - LOB nahm ihren Lauf. (und wo fahren Sie im Sommer hin?) Wer wirklich geschickt war, hielt lieber sein Maul und versuchte wenigstens das durchzubringen, was durchzubringen war und sei es auch nur um den Verlust seinerselbt erfolgreich zu verschleiern. Hieraus entstand das Geheimnis des Lebens, die Staus auf der Autobahn und diese Geschichte. Anm. des Verfassers: Der Kopfsalat ist grün bis blau Er macht auch das Gefühl nicht schlau Drum machts mir Spaß ins Wort zu fassen was Feinde können oft nicht lassen. Jetzt saßen die Männer denn in der Wüste Sinai fest, unfähig ihrer Bestimmung, dem Morden, nachzugehen und so Mancher knabberte schon an seinen Füßen, weil er am Sande nicht ersticken wollte, obwohl es hier ansonsten keine vergleichbare Nahrung gab, die dem Sand den Rang hätte ablaufen können. Diese allgemeine Angst sollte am Abend eigentlich noch einen Sandsturm verursachen, dessen äußerste Zerstörungskraft, da sie keine innerste gewesen wäre selbst Wanderdünen zu einer extrem schnellen Flucht verholfen hätte, wäre nicht Folgendes geschehen: Die Ansprache OWEHs So geschah es denn also, daß sich OWEH einmal mehr besänftigend unters Volk mischte. Er war ein Mensch von eben jener zierlichen Brutalität, die alle hier so mochten. Wenngleich es Menschen gab, die nun, da er sich einen Berg aufzuschütten begann, von dessen Gipfel er wohl seine Rede ans hungernde Volk halten wollte, aus verhaltenem Protest heraus Arien zu singen begannen, die selbst Wüstenfüchsen das Fürchten lehrte, gab es auch welche, die ihm bei der Aufschüttung des Berges halfen, da sie sich von der bevorstehenden Rede ihres Anführers eine Linderung ihres Hungers versprachen. Sieben dieser selbsternannten Jünger saßen im Zentrum des Sandkastens der Wüste Sinai.Sie backten symbolisch Kuchen in vorgefertigten Förmchen und beschissen ihre Windeln schon in diesem Alter. Sie verharrten der Dinge, auf daß bald endlich ein Wunder geschähe. Und als der Berg nach unzähligen Jahren endlich fertiggestellt war, begab sich OWEH nach einer kräftigen Dusche, einem Steak Hawai ohne Ananas, das er damit bewußt zum Wiener Schnitzel degradierte, wobei ihn allein schon die Tatsache hätte entlarven müssen, daß er vergaß, das Steak zur perfekteren Tarnung zu panieren, auf den Gipfel seiner Macht. "Ich weiß," hob er rülpsend an, da ihm die scharfe Senfsoße aufstieß, von der er offensichtlich zuviel genossen hatte -"der Hunger ist ein schweres Los! Aber, er ist auch ein gemeinsames Los, an dem zu arbeiten, es auf jeden Einzelnen hier ankommt. Ich habe Gott den Allmächtigen gepriesen, auf daß er uns Manna vom Himmel schickt. Aber nichts ist geschehen! Ich habe der heiligen Jungfrau Maria an ihren Slip, der ganz aus schweißfeuchten Hanffasern bestand, gefasst und bekam eine Ohrfeige. Ich riß ihr den Slip vom Leib, stopfte ihn in eine Pfeife und rauchte ihn in drei Zügen auf. Alsbald sah ich tausendeinhundertvierzehn gebackene Austern schnäbelnd durch die Luft fliegen, ein Ferkel, das seinen Schlächter zum Gott grüßte und einhundert Flaschen Kakao, wovon mir eine klirrend am Kopf zerschellte. Mir obliegt es nun sehr, und fast ist es mir ein Anliegen, zu erfahren, wie ihr darüber denkt, daß ich nun zugegeben alles habe und ihr nichts. Ich möchte sogar soweit gehen, euch zu sagen, was in materiellem Sinn, von meiner Seite, euch zu helfen überhaupt machbar ist. Und ich kann nur sagen, daß ich nichts mehr für euch tun kann. Jeder ist sich selbst der Nächste! Es kam nun so, daß aus den dunklen Wolken, die schwer über der Landschaft hingen eine ganze Schwadron Flugsaurier sich wie aus heiterem Himmel auf die Schultern OWEHS niederließ. Halb Fledermaus, halb Elephant, so sahen sie aus, nicht ganz so groß wie ein Elephant waren sie, aber um einiges größer als eine Fledermaus waren diese seltsamen Tiere allemal. Ihr gemeinsames Merkmal war indes ein Rüssel, der ihnen dort, wo beim Menschen die Nase ist, aus ihrem Kopf hervorquoll. Die Flügel dieser Fledermaus-ähnlichen Tiere erinnerten, durch eine Lupe hindurch betrachtet, wiederum stark an die Ohren des indischen Elephanten. Anm. des Verfassers: Aus welch unerfindlichen Gründen der indische Elefant nicht fliegen kann, steht hier allerdings nicht zur Debatte. Womöglich ist er einfach nur zu dumm, obwohl nicht auszuschließen ist, daß es ihm aus Gründen seiner Statik gar nicht möglich war, sich in die Lüfte zu erheben. Warum wird das dann hier erwähnt? Zugegeben, ich wäre gerne Naturwissenschaftler geworden. Leider verhinderten terminliche Gründe dieses erstrebenswerte Ziel. (Ich mußte, von Wichtigtuern bedrängt meine Arbeit verrichten. Eine Kopie dieser Wichtigtuerei und deren Folgen für das Universum lesen Sie hier gerade. Dies ist ein allgemeingültiger Bericht, der noch Jahrhunderte überdauern wird. Es steht geschrieben, und darum bin ich froh) Ihre fast durchsichtigen, länglichen, raupenartigen Körper, in denen ihr Blut wie das Bier in den Leitungen einer Brauerei gärte, ließen zudem ein gleichförmiges Pulsieren erkennen, das sich vom Kopf über die Brust bis zum Hinterleib fortpflanzte. Demnach waren es Insekten. Er kam sich vor wie der Grundstock eines Wespennestes. Die Tiere waren allesamt handzahm, soviel stand fest. Es waren, geschätzt, so um die tausend Stück, die sich binnen Sekunden auf der Schulter OWEHS niedergelassen hatten, so dass er etwas im feuchten Lehm seines Berges einsackte. Als es dann schließlich 2000 und mehr Vögel wurden, die, weil sie keinen Platz mehr auf seiner Schulter fanden, sich an seinem Unterleib fetzubeißen begannen, ersann er eine List, sich dieser komischen Vögel doch noch unauffällig zu entledigen. Wirklich los bekam er sie allerdings nie. Normalerweise hätte er ja in eine Zoohandlung gemußt und fragen müssen, welchen Rabatt man ihm im Angesicht dieser unglaublichen Anzahl der Vertreter aus der Urzeit gewähren würde. OHWEH blieb eisern. Etwa 1000 Vögeln drehte er geflissentlich den Hals um, den verbleibenden 1000 band er ein Spruchband um den Hals und schüttelte sie mit leeren Versprechungen ab. Die Spruchbänder, auf dreilagigem Toilettenpapier handschriftlich verfasst, band er absichtlich nur lose um den Hals seiner Peiniger. Und die Tiere waren stolz auf ihr Schleifchen und flogen hinfort, und als sie hochdroben so beschwingt und unbeschwert in der Luft umherschwebten, da lösten sich die lose gebundenen Schleifchen und unten auf der Erde war es, als ob die HAKLE FEUCHT AG droben im Himmel gerade ihre Konkursware unters Volk brachte. Folgende, wie gesagt handschriftlich verfasste Botschaft OWEHS verbreitete sich somit in Windeseile. Was ist, wenn nichts mehr geht, was geht, wenn nichts mehr ist, was mehr ist geht nicht wenn, was geht nicht ist wenn mehr?" Da schauten die wenigen Überlebenden, die teilweise die Gebeine ihrer verhungerten Verwandten als Krücken benutzten jäh zu ihm hinauf und Septus, der an einem dieser wunderschönen Förmchen knabberte schrie: "JUDAS!" Eine kleine Frau im Baströckchen, die sich recht erbaulich ganz nah und ihrem Wesen nach treu an ihn schmiegte, während sich ihre Arme in den unendlichen Weiten seiner Unterhose verloren zu haben schienen sagte: "Aber Septus! Wie kannst du nur soetwas sagen! Er ist schließlich auch nur ein Mensch wie du und ich!" Da zog Septus die Arme der Frau in einem Ruck aus seiner Hose und schrie: "Ich hab jetzt keine Lust, ich muß mich konzentrieren!" Die Verwandlung des Septus Eines schönen Tages hatte Septus, zumal OWEH seit Wochen im Sterben lag und niemand gewillt war, sich um ihn zu kümmern, als letzter Überlebender dieser wüsten Katastrophe folgende, nicht gerade leicht verdauliche Vision, die aus der unendlichen Tiefe seines Unterbewußtseins jäh zu ihm hinaufgeschleudert wurde, daß er fast dachte, das alles wäre real. Dieses Geschick ereilte ihn an seinem Geburtstag nach einem Telefonat mit seiner chinesischen Halbschwester, Yung Hie nach drei Flaschen Bier und einigen Tüten dieses Jamaika-Zeugs: Anm. des Verfassers: Um die Glaubwürdigkeit dieser Schrift noch wohlwollend zu unterstreichen soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, daß es am nördlichen Rande der Wüste Sinai eine unwirtliche Oase Namens OUD EL ARAB gab, die in keiner Karte verzeichnet war. Außer einem drei-Planeten Hotel, dessen Klassifizierung nach weltlicher Norm sich allerdings als äußerst schwierig bis unmöglich gestalten würde, in dem neben anderen so begnadete Persönlichkeiten wie beispielsweise LALE ANDERSWO, KATJA ECKSTEIN sowie der Graf ALLES WILL VON VERSTECKT SEIN in regelmäßigem Turnus randalierten, verfügte man hier über eine excellente Telefonanbindung Richtung Nordost, - eine Hausbar eher schmierigen Charakters, zumindest, was deren Besucher anging, inclusive. "Ich möchte dir mein Leben erzählen! Yung Hie, du hörst mir nicht zu! Du bist eine schwache, unverletzbare Frau, weil du eine verletzte Frau bist. Verletzbarkeit ist, wenn man es recht bedenkt, in der heutigen Zeit fast eine ausgestorbene Tugend. Sie nicht zeigen zu dürfen, verletzt dauerhaft und schleppt sich oft durch ein Leben. Viele Menschen sind beleidigte Menschen, zutiefst verletzte und beleidigte Menschen. Das macht ihren Charakter aus. Ich weiß das, weil sie auch so reden wie ich. So hab ich denn immer den direkten Vergleich. Seither verabscheue ich beispielsweise den Verzehr von Leberwurst, oder falle beim Anblick des Vollmondes symptomatisch in ein Wochenkoma, in dem ich, viel - sagend und schreibend sieben Tage und Nächte verharre. Manchmal falle ich vom bloßen Erdenken bizarrer Bilder gar in ein Monatskoma. Monatskomen dauern oft vier Wochen an. Anm. des Verfassers: Weil man sich an dieser Stelle, als Leser, über die geschätzte Dauer eines Jahreskomas noch lange nicht im Klaren sein muß, und weil man außerdem auch noch gar nicht so recht weiß, wo Dinge hinführen, wenn sie denn wirklich geschehen, empfielt der Verfasser sich selbst nun zwingend zur Bettruhe. Frage: Warum hat er das gesagt? Antwort: Habt keine Angst! Die Antwort folgt halt auf denjenigen Eselshufen, die sich der Autor zwecks Erschaffung diverser, nicht gerade unbedingt zweckmäßiger Weltbilder selbst erschaffen hat! Schließlich steht man irgendwo im Leben, nur weiß man nicht genau, warum. Womöglich war der Autor einfach nur müde, so wach wie er war. Yung Hie, mein liebes Schwesterlein! Warum springst du vergnügt durch den Sand und lachst und schwingst deine Hände so bunt? Du bist nicht glücklich, ich weiß es doch, ich weiß es ja verdammt nochmal! Du mußt weinen mein Schwesterlein, ja weinen mußt du. Ich sehe die herrlichsten Tränen in deinen Augen! Erkenne die Glut deiner Wut! Das Gift dieser Jahre der Unterwerfung! Die Austreibung des Wissens um sich selbst! Ich sehe sehr wohl, daß meine Haut schwarz ist, die seine weiß, daß deine Haut gelb ist und die seine immer noch weiß, so weiß wie er ist und wie er bleiben wird bis ans Ende aller Tage. Er sagt jetzt zu dir, daß deine Haut weiß sei. Du führst deine Hand vor die Augen, siehst wie schön gelb sie ist und sagst zu ihm: "Tatsächlich, sie ist ja weiß!" Weshalb tust du das? Das ist doch zum Wahnsinn verdammt! Warum belügst du dich? Darfst du nicht einmal Auch etwas gelten? Wir stammen von ein und derselben Mutter ab, die ihren Mann aufs Schändlichste betrog. Dein Vater ist gelb und meiner ist schwarz. Unser gemeinsmer Vater hingegen, ist weiß. Er machte uns unter Schmerzen glauben, er sei unser leiblicher Vater. Wie lächerlich das doch ist! Ich schäme mich für ihn, ob seines Schweigens. Gestern traf ich den Schattenspringer, ein Mensch, der ohne Hoffnung nicht sein kann, erinnerst du dich? Du führtest stolz deinen Dackel an der goldenen Leine aus, sahst mich dort sitzen, befreitest dich von deiner Aura, ich glaub, es war ein Hut, den du wie eine Frisbeescheibe sauber an meiner Kaffeetasse zerschellen ließt. Erst jetzt erkannte ich auch dich und wollte schon weinen vor sinnlicher Freude. So lau wie der Wind blies, räkelten sich meine Arme ungestüm zu dir hinauf. Ich küsste dich und verlor an Vertrauen. Es war im Cafe drüben in der Alsenstraße. Der Schattenspringer hatte seinen siamesischen Zwilling dabei. Wenn der eine sich betrank, dann wurde der andere automatisch auch besoffen, obwohl er das gar nicht wollte. Der nicht trank, rauchte sehr viel, und das konnte der, der trank wiederum nicht gut ertragen. Wenn der eine zum Friseur mußte, dann wollte der Andere gerade aufs Kloh. Sehr lästig das Ganze. Wie gerne hätten sie sich voneinander getrennt und wären Freunde oder Feinde geworden? Allein es ging nicht. Sie hatten ein gemeinsames Herz, daß so allerdings nur zerbrechen konnte. Anm. des Verfassers: Wollen und Müssen sind verschiedene Kisten. Während das Wollen zumeist aus eigenem Bedürfnis heraus entsteht, verbirgt sich hinter dem Müssen oft die Last der Verpflichtung. Die Verwechslung der beiden Begriffe, die, da sie ja nicht wirklich Begriffe, sondern eher Zustände des leibhaftigen Lebens sind, die dadurch, daß sich jemand ihnen auf brutale Weise annimt, wieder nur zur Begrifflichkeit führen, weshalb ich auch so oft stutze, wenn ich in mir, selbst bei lebendigem Leibe tag täglich hilflos mitansehen muß, wie man mit gutem Willen, ja bestem Vorsatz und weil man ja das Beste aus mir herauskitzeln wollte erschlagen wird, birgt nun insofern die Gefahr in sich, Verpflichtung höher als das eigene Bedürfnis zu stellen. Jeder halbwegs normale Mensch hätte im Angesicht dieser katastrophalen fast asozialen unwürdigen Zustände NEIN gesagt. Ich habe damals auch Nein zu mir gesagt. Das wurde ja auch von mir verlangt. Nichts konnte mich mehr treffen aber der Schreck ließ nicht nach. Lieber knechtet man sich, tut brav seine Pflicht, als daß man sich der Welt, in seiner Bedürftigkeit, ausliefert, liefert sich also aus um der Liebe willen, die allerdings nur ein Scheinfrieden ist, glaubt, daß man nur etwas sei, wenn man hörte und ungefragt täte, was Vater und Mutter von einem verlangten. Gewinnt man einen Blick über die Lage der Dinge, dann kann man nur sagen, daß hier der Kopf gegen das Herz kämpfte und noch kämpft. Das Eingeständnis, nicht lieben zu können, ist allerdings ein harter Brocken. Man sagt da vieleher: "Ich liebe dich, aber ich kann es dir nicht sagen." Die Tyrannen der Weltgeschichte, die Elend und Not über das Leben brachten, mochten wohl Ähnliches erfahren haben. Bei unserem siamesischen Schattenspringer gestaltete sich dieser Konflikt nun äußerst komplex, da dieser, wie zuoberst angedeutet, zwei Eigenleben in anderthalb Körpern führte. Wenigstens waren sie nie einsam, so einsam, wie sie waren. Jedenfalls waren sie nie alleine. Das war ja schonmal was. DU SOLLST DIR KEIN BILD MACHEN! Du sollst nur an flachen Sachen lachen. Du sollst dich am Verhalten deiner Ahnen messen. Sie sind dir doch Vorbild! Du mußt so sein wie sie! Du mußt den Frieden wollen! Selbst wenn du nur Krieg gesehen hast! Selbst Schweigen kann Krieg sein! Du hast einen Mund, zum Sprechen, aber kein Herz zum weinen. Du sollst nicht die Schützen im Verein abschießen, sondern den Vogel auf der Stange. (denn schließlich sind das deine Freunde) Wenn du das schaffst, dann kannst du auf dein Volk hinabsehen, und hast somit deine Stellung in dieser Gesellschaft rechtschaffen errungen. Was ist schon ein Ministerposten oder der eines Fahnenträgers wenn man nichts aus ihnen macht. Im Grunde möchte man das ja auch gar nicht sein, aber die Erfahrung ist oft stärker als das Wollen, da, weil selbst dieses Wollen, somit gesagt, ja in Wahrheit gar keines ist. Die Vergangenheit wird nie enden! Der Schattenspringer hüpfte nun unbeholfen und äußerst verquer durch das Cafe. Der Eine wußte wie immer nicht, wo der Andere hinwollte. Es war ein Zerren der Unentschlossenheit, das wie der Kampf zweier Giganten anmutete, der niemals beginnen durfte. Obwohl sie beide nicht blind waren, schließlich sehen vier Augen mehr als zwei, rannten sie reihenweise die Tische um, wie es manchmal diese indischen Rosenverkäufer in ihrer zweckdienlichen Aufdringlichkeit taten. Ihr Verhalten war das Ergebnis einer gegenseitigen tiefgreifenden geradezu verpflichtenden Rücksichtnahme. Verletzt werden wollte schließlich keiner von Beiden. Schrill blitzten auf, die Säbel! Das ist der Ursprung aller Demut. Daraus schöpft sie ihre Kraft. Erblüht und welkt dahin als wäre nichts gewesen. Alles mußte so bleiben, wie es war, nichts durfte verändert werden. Das ist der Ursprung aller Politik. Auch der Glaube entsteht hieraus. Natürlich war der Schattenspringer schuldig an der Welt, weil er ja so war, wie man über ihn dachte. Sein Dasein hatte auf Grund seines Fehlverhaltens, daß er durch sein abstoßendes Äußeres womöglich nur kaschierte, von Vorneherein schon keine Berechtigung. Das ist gleichsam auch der Ursprung jeglichen Humors, der irgendwie mit Galgen zu tun hat. Der eine Teil des Schattenspringers hatte seine Not längst erkannt, der andere Teil focht einen erbitterten Kampf gegen die Echtheit dieser Wahrnehmungen seines nächsten Verwandten. Wer auch immer von beiden fiel auf die Knie, bekreuzigte sich und sprach: "Als ich geboren wurde hatte ich fast keine Haare auf dem Kopf und tiefe Falten im Gesicht. Jetzt habe ich fast keine Haare mehr auf dem Kopf und mein Gesicht ist durch Falten, die sich wie Klippen von der Stirne bis zum Kinn ziehen, unkenntlich geworden. Ich werde also, rein äußerlich so sterben, wie ich geboren wurde. Der flüchtige Raum zwischen Erwelken und verwelket sein heißt Leben, ein kurzer, oft unbemerkter Abschnitt, der zu Allem führen kann, also nicht notwendigerweise schon zu Nichts führen muß, weil, Alles kann man eh nicht haben, darum hat man auch das Nichts. Alles ist Nichts, und Nichts ist gut, aber fahren wir beim Erwelken fort... Natürlich änderte sich dieser schreckliche lebensunwürdige Zustand von Geburtstag zu Geburtstag. Meine Haut wurde zunächst glatt und zart, mein Haar wallte in dünnen Stränen fast bis auf meine Schultern hinab. Je zarter meine Haut wurde, desto erfreuter lief ich durch dieses Leben. Ich war schön! Ja, zumindest empfand ich mich so. Wie ungestüm hüpfte ich durch Pfützen des Regens, erbaute mich an den Launen des Windes, ließ meine Drachen steigen und zollte dem drohenden Groll des Donners gehörig Tribut. Dann, oh Schreck, es war so um mein siebzehntes Lebensjahr, erblickte ich Morgens beim Waschen im Spiegel einen merkwürdigen Flaum an meinem Kinn. Da mich meine Eltern bis dahin noch nicht aufgeklärt hatten, schämte ich mich enorm für diesen Flaum. Ich klebte ein großes Pflaster auf diesen Flaum und sagte, ich sei aufs Kinn gefallen. Das ließ sich noch an. Entschuldigungen hatte ich eh immer parat, selbst für die natürlichsten Sachen auf der Welt. Mich so zu benehmen, hatte ich gelernt. Als sich der Flaum dann allerdings so stark vermehrt hatte, daß ich diese zarten Gebilde mit meiner Zunge selbst unter meiner Nase erfühlen konnte, bekam ich es, in Sachen Entschuldigung, allerdings mit der Angst zu tun. Ich trug fortan einen Mundschutz. Die Ausrede, ich sei auf den Mund gefallen, ließ sich nicht lange halten. Allenthalben lachte man mich aus. Obwohl ich wußte, daß man mich durchschaut hatte, beharrte ich auf meiner Unfalltheorie. Ich glaubte schließlich felsenfest daran. Nur äußerst selten, in einem lichten Moment zum Beispiel, zumeist im Winter, wenn die Blätter von den Bäumen waren und man einen freien Blick auf den Himmel hatte, bekam ich eine flüchtige Ahnung davon, wie unwichtig ich eigentlich war, zumal mir Kinderbanden auf den Fersen waren, die mich mit feuchtem Lehm bewarfen. Wie groß wäre die Scham darüber gewesen, sich auch noch dafür schämen zu müssen, durchschaut worden zu sein!" Septus erwachte im Fieber. Er wußte nicht recht, wo er war, wollte es aber auch gar nicht wissen, wenigstens nicht so recht. Bei Maria war er jedenfalls nicht. Dort schrie immer der Josef aus dem Kleiderschrank. Dieser Juppi sah halt gerne zu, was geschah, nachdem man seine Frau verführt hatte. Er war ein rechter Voyeur und vertrat die Partei der Mitte. Sie hatten ein gemeinsames Kind Namens Jesus. Das Kind wurde unbefleckt empfangen. Es kam dennoch zur Welt. Hier klappte das wenigstens. Er wollte auch gar nicht wissen, wie es wäre, sich eines Tages geklont gegenüberzustehen, obwohl, und gerade deswegen, er kaum Mühe hatte, sich in was weiß ich zu verwandeln. Helfen konnte ihm eh keiner, weil, wer ihm helfen wollte, der hätte sich die Fähigkeit zu echter Verzweiflung im Herzen bewahren müssen. Die Malaria war es wohl auch nicht, denn die hatte Fliegengitter vor ihren Fenstern und die Windpocken hatte er sowieso schon alle genommen. Die Lepra, eine furchterregende DOMINA vom Haus der Freuden nebenann konnte es auch unmöglich sein, - noch zählte er fünf Finger pro Hand, - vielleicht hatte er einfach nur zuviel getrunken, und all dieses Leutselige wäre für ihn somit nur Schein. Die einäugige Frau Die einäugige Frau betrat das Zimmer, wie nur einäugige Frauen dies zustande brachten, nämlich einäugig. Sie hatte ein gesundes und ein krankes Auge. Ihr gesundes Auge versteckte sie gekonnt hinter einem Pflaster, damit es nicht auch noch krank würde werden können. Die Lider ihres kranken Auges hingegen, klafften fast unbeholfen weit auseinander. Das erinnerte ihn entfernt an die Glupschaugen eines Froschs auf der Balz, der nichts als balzen kann, weil er meint, es wäre jetzt an der Zeit. Die Einäugige Frau trug ein weißes Nachthemd mit lauter roten Punkten darauf. Ein luftiger Sommerhut schmückte ihr zartes Köpflein. Es war ein Hut, scheinbar ganz aus Gold. Sie war auf Grund dessen Schwere kaum in der Lage ihn aufrecht zu halten. Er kreiste wie ein im Spiel angeregtes Steh-auf-Männchen schwerfällig um ihre Schultern. In ihrer linken Hand trug sie schwenkend eine verrostete Baugrubenlampe, deren fahles Licht sich schwach über die Wände ergoß und die Schatten entsprechend zum Taumeln brachte. Ihre rechte Brust war etwas größer als ihre linke, aber das kümmerte ihn wenig, zumal er sich unlängst mit der in Fachkreisen hinlänglich dokumentierten Tatsache abgefunden hatte, daß die Dromedare der Wüste Sinais selbst mit nur einem Höcker des Überlebens fähig seien, gerade so, als hätten sie nie etwas vermisst. Hier war ein Lernprozess in Gang gekommen, dessen Bedeutung noch lange nicht erforscht ist. Die Umrisse eines schwarzen BH`S kaum nennenswerter Körbchengröße, der allerdings eher an einen Tanga für den Mann erinnerte, stach ihm sofort ins Auge, und wenn ihn nicht alles täuschte, dann sah er auch tief in ihr Herz und bekam einen Schock. Er geriet in eine schwerwiegende Krise, so konnte es nur kommen, und so kam es auch. In diesem Zustand war er wie der Rebell, der es letztendlich zu nichts würde bringen können. Aber selbst das ließ sich noch in etwa gehaltvoll in Form bringen. Zwischenspiel A: Werden Eier nicht auch erst abgeschreckt, bevor man sie unbeschadet verschlucken kann? B: Ich interessiere mich nicht für Weltlitreratur! Jetzt kam es nachgerade so, daß Septus, wo er gerade mal wieder nicht wußte wer er war, denn, wie sollte man so auch leben können, sich einen Plan ausheckte, dessen Verwirklichung es der Welt schon beweisen würde. So gesehen war er frei, so gesehen aber auch nicht. Er entsagte jeglicher Kultur und beschloss, Künstler zu werden. Bald standen ihm die Haare zu Berge, und tausend Unwissende lagen ihm zu Füßen, da es ihm, wie auch immer, gelungen war, einen schwarzen Strich schräg auf weißem Papier zu zeichnen. Das war ja ziemlich Diagonal. Er wurde, so, zwangsläufig einer der größten Diagonen dieses Jahrhunderts. Selbst wenn er weiße Striche auf schwarzer Pappe zeichnete, selbst wenn er sich nach Anleitung sichtlich bemühte, eine in etwa kreisförmige Struktur zustande zu bringen, selbst wenn er das gar nicht konnte, weil er womöglich auch gar nicht dazu bereit war, huldigte man ihn wie einen Gott, den man im Grunde nur zum Teufel wünschte. Nach einiger Zeit erkannte er aber, daß man Künstler nicht werden, sondern nur sein konnte. Aber was half ihm das jetzt, wo er so dalag mit dieser Frau im Bett, deren Namen er nicht mal kannte. Septus spürte so etwas wie Wärme und er ahnte vage, daß die Liebe eine Kunst war, die zu nichts bedurfte. Das machte ihn nachdenklich. "Nicht mal ein Stift?", fragte er sich gedankenverloren. "Ich habe mein Leben lang nur Stifte verbraucht, um zu glänzen. Nur Stift bin ich, nur die Feder, die schreibt. Ich bin, mit meiner Erfahrung nun mittlerweile soweit, als daß ich ihr, durch Nichtbeachtung, eben jenen Glanz zu verschaffen vermag, der dieser Welt endlich mal genügt. Man muß die Liebe doch ausdrücken, was immer sich auch dahinter verbirgt." "In deinen Worten schwingt Sehnsucht mit", sagte die einäugige Frau, während ihre Hand grob durch seinen Schopf fuhr. "Du hast das Zeugs zum Schlagersänger! Die bringen ihre Not, genau wie du, immer frisch auf den Tisch. Du solltest mehr Schlager hören. Da hast du dann deine Sehnsucht von der vollkommenen Unvollkommenheit, selbst wenn sie dich nicht trösten mag." Die einarmige Frau stellte ihre Baugrubenlampe auf das Nachtkonsölchen und wandte sich ungestüm an den Körper ihres Bettgesellen . "Halt ein!", schrie Septus da, "bevor ich dich "nehme" müssen die Verhältnisse klar sein. Was wäre ein Verhältnis ohne Beziehung? Was ist das, Verhältnis, Beziehung? Weiche von mir, du Hure! Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich mag. Du bist erkauft und nicht gemocht. Warum erwünsche ich dich denn herbei?" "Schön ist es, auf der Welt zu sein", entgegnete die einäugige Frau da, und Septus verlor die Sprache und ließ geschehen. Es war der reinste Sex, der sie überkam, von gerade auf jetzt. Von Heute auf Morgen wäre es vielleicht zu spät gewesen. Zum Überlegen blieb keine Zeit. Es kam so, wie es kommen mußte. Wild und animalisch zeigte man sich gegenseitig das Tier. Es war einfach zu schön. Und als er sich, nach vollbrachter Tat, im Bett umgedreht hatte, sprach er im seichten ins Sein Fallen noch kurz von dem scheinbar nicht unwesentlichen Geheimnis der Bauklötze. Das Geheimnis der Bauklötze Das Geheimnis der Bauklötze verstehen nur Kinder. Und weil nur Kinder das Geheimnis der Bauklötze verstehen, ziehe ich in Ehrfurcht meinen Hut vor den Bauklötzen und auch vor den Kindern. Das Geheimnis der Bauklötze ist aber viel wichtiger als die Ehrfurcht und der Hut, den man vor ihnen zieht. Ehrfurcht hat insofern etwas mit Bauklötzen gemein, als daß sie Bauklötze sind und deswegen auch immer nur Bauklötze sein können. Gültige Interpretationen dieses Lebens gingen mir also ab, aber womöglich passiert das jedem, der sich irgendwann mal auf eigene Füße zu stellen versucht. Der Klotz war gelb. Jede Bewegung, die ich ihm abzwang, machte ihn schmutziger. Ob seiner Vielkantigkeit ließ er sich schlecht rollen. Ich hätte viel lieber eine Kugel gehabt. Die hätte ich dann rollen können, wobei geradlinige Bewegung ins Spiel gekommen wäre. Man mochte ihn drehen und wenden wie man wollte, am Ende war er immer schwarz. Zum Hände waschen blieb ja kaum Zeit. Ich lachte, warum auch immer, schließlich gab es keinen Grund. Das Glück lag auf der Strasse, aber da durfte ich nicht hin. Ich warf den Bauklotz achtlos fort, weil er mir nicht genügte. Ich wollte ein Pferd und bekam eines, aus Plastik, mit winzigen Rollen unter den Hufen. Man konnte es fast geräuschlos durch die Wohnung schieben, und das Schöne an dem Tier war: Es brauchte kein Heu. Ich bekam, derart frequentiert, bald einen unsäglichen Hunger nach mehr, wobei ich schnell wußte, daß er sich selbst im Bananenland nicht würde stillen lassen. Septus schlief ein und wußte nicht, von was er träumte. Die Reise ins Bananenland Die ASTORIA lag schnaufend im Hamburger Hafen an. Das Wetter war lausig. Ein kalter Wind fuhr wild um die Klippen und gab selbst den gräßlichsten Hautfalten des übellaunigsten Hanseaten ihren letzten Schliff. Immer wenn das Schiff sein Nebelhorn ertönen ließ, fiel dem Michel die Spitze vom Turm. Da der Michel seit Jahren eine Dauerbaustelle war, machte das aber recht wenig. Auch findet sich hierin die Erklärung dafür, warum die Turmspitze des Michel immer wieder herunterfallen konnte. Die ASTORIA war ein sogenanntes Gesellschaftsschiff, an deren Bord selbst die dummdreißtesten Passagiere sich auch einmal als Steuermann versuchen durften, während sich ihre Frauen nichtsahnend in luxuriösen Liebesstühlen "barfrei" dem Eros entgegenräkelten. Die ASTORIA war ein stolzes Schiff, weiß bepinselt, und von monumentaler Größe. Wer an ihrem Bug stand, war unmöglich in der Lage, sich einen "ganzweiten" Blick über das Schiff zu ergattern. Ihr Heck erschien den bisweilen es nur vom Bug aus Betrachtenden wie abgeschnitten vom übrigen Schiff. Aus zwölf monumentalen Schornsteinen erbarsten sich Schwaden eines übelriechenden dunkelbraunen Rauches, welcher Hamburg bestimmt in Asche gelegt hätte, wäre die ASTORIA nicht schon bald in Richtung Bananenland ausgelaufen. Die ASTORIA schnaufte nun mit unglaublicher Geschwindigeit von ihrer Heimat fort, da die unzähligen Hobby-Steuermänner, die man, vertragsgerecht, ans Ruder ließ, einen bisher nie gekannten ZICK ZACK - KURS fabrizierten, der das Schiff fast auseinanderbrechen gelassen hätte, wäre es nicht für derartige Zwischenfälle gebaut gewesen. Am siebzehnten Vierten geriet die ASTORIA überraschend in ein gigantisches Eismeer. Eisberge, so groß wie ein Kontinent zogen knirschend tiefe Furchen in den Lack des Schiffes. Aber das ging womöglich noch auf Garantie. Die Nacht im Polarmeer währte fast ein halbes Jahr, also war es Nacht. Pinguine verteilten Taschenlampen an alle an Bord Befindlichen. Und während man sich verzweifelt um den rechten Kurs bemühte, froren den Frauen in ihren Liegestühlen auf dem Oberdeck die Brüste ab. Ob das noch auf Garantie ging, wußte man allerdings nicht. Diese hatten den Glauben an dieser gemütlichen Kreuzfahrt quer durch den sonnigen Süden nämlich noch nicht so recht verloren. Jetzt kam ein Mann zum Zuge, breitschultrig, elegant, mit Wörtern nicht sparend: "Wir müssen das Ruder herumreißen!" Das sprach sich besonders bei den erfrorenen Brüsten auf dem Oberdeck sehr schnell herum. "Hast du gehört? Es soll bald wärmer werden." sagte eine Madame Flaubertine zu einer Madame Namens Aubergine, die neben ihr im Rollstuhl saß. Septus, der Träumer war an zwei Französinnen geraten, die auf dem Oberdeck, vom Kopf her, geradezu glänzten. Er legte sich flach auf den Boden, breitete seine Arme aus, schwieg, als wollte er sagen: "Wir sind jetzt hier zusammen." In der Tat beschrieb die ASTORIA nun bald einen gewaltigen Bogen. Dieser Bogen war so gewaltig, daß den Damen der Tee aus ihren Tassen schwappte. "Es wird tatsächlich wärmer", sagte Flaubertine, aber das war nur der heiße Tee, der sich über ihre Waden ergoß. "Ich merke nichts", entgegnete Aubergine. (Ihre Tasse war leer). "Was ist denn mit dem Mann?" Da öffnete sich weit hinten die Tür des Steuerdecks und ein Mann in Uniform trat heraus. Auf seiner linken Schulter saß, stilecht eine Möwe, die mit Vergnügen dabei war, sein Ohr zu zerfleddern, über seiner rechten hing bedeutungsvoll das Fell eines viel zu früh verstorbenen Seehundes, dessen verkwollener Blick die Damen geradezu rührte. "Achtung!", schrie der Mann, "wir beschreiben jetzt einen Bogen. Das Schiff ist nicht außer Kontrolle, es will nur hin, wo es hin will. Wer glaubt, daß er verloren ist, hat hier nichts zu suchen!" Und der Mann verjagte die Taube, streifte den Seehund ab und zeigte nun auf ein Abzeichen, das erst jetzt sichtbar wurde. Fünf Sterne zierten seinen BUCKEL. Gegen ihn kam man nicht an. Der Bogen den das Schiff beschrieb war indes energischer denn je. Es war wohl gerade ein Steuermann am Ruder, der etwas von seinem Handwerk verstand. Es ging nun gen Süden, und immer ging es gen Süden, und immer wenn es gen Süden ging, dann war das schön, weil, es ging ja gen Süden! Wenn hier mal die Sonne schien, dann knipste man sie einfach aus. Und immer wenn man sie ausgeknipst hatte, mußte es gen Süden gehen! Und tatsächlich! Es wurde wärmer! Eiswürfel zerschmolzen zu Kartoffelpürre, aus Linden wurden mühelos Agaven und bald hatte man Elefanten an Bord, deren Rüssel sich den Damen auf dem Oberdeck zur Begrüßung freudig entgegenräkelten. Da tat sich erneut die Türe des Steuerdecks auf und ein Tier trat hervor, mit einem Menschenfell über seiner linken Schulter, und dem eines Braunbären auf seiner rechten, und sagte: "Es hat nicht sollen sein. Wer mich nicht liebt, der muß verrückt sein, und wer verrückt ist, der liebt mich nicht." Septus erwachte in Schweiß gebadet. Die Frau neben ihm schnarchte bedenklich. Aus ihrem Mund quollen Schwaden von Rauch. Draußen wurde es schon hell und lieblich unterhielten sich die Vögel, über was wußte letztendlich nur er. Im Hausflur ging jetzt wirklich eine Tür. Schritte im Treppenhaus! Septus sprang in seine Pantoffeln und öffnete die seine einen Spalt breit. Er sah noch den Schatten der Haustüre über den Teppich fliegen und hörte, wie sie krachend ins Schloss fiel. Septu`s Gebeine stürzten in eine graue Jeans. Weder gewaschen noch gekämmt sprang er auf die Strasse, um zu sehen, wer ihm zuvorgekommen sein könnte. Dort draußen, geriet er unverhofft in einen betriebsamen Auflauf allesamt würdiger Menschen. Eine ältere Frau bemühte sich energisch um ein verwelktes Blatt, das gerade vom Baum gefallen war. Einer, der auf seinen Bus wartete, schaute ungeduldig auf die Uhr. Eine Horde von zwölf Kindern, die eine Art Volleyball mit ihren Schulranzen zu spielen schienen, fiel ihm angenehm ins Auge. "Sie sind doch heute gar nicht mit Müll dran, Herr Rikken.", sagte eine Frau mittleren Alters, die so plötzlich vor ihm stand, als wäre es wahr. "Ich weiß," antwortete Septus, "ich wollte nur mal sehen, wie es draußen so ist." "Das dürfen Sie, das ist ihr gutes Recht.", sagte die Frau. Septus bedankte sich für sein ihm zugestandenes Recht, das so gesehen, ja gar nicht böse sein konnte. "Ist es nicht merkwürdig?", dachte Septus da, "vor zwei Minuten war ich noch in meiner Welt, hochdroben in der Dachstube, und nun bin ich in dieser. Ich zweifle zwar nicht an der Echtheit meiner Gefühle, aber, warum muß ich so grausam zu dieser Welt sein? Warum ist sie so anders? Warum ist sie mir fremd?" Er kam sich vor wie der letzte Dreck. Ein Haufen Hundekot war er, auf den man achtlos getreten war. Sein Selbstbild stank ihm zum Himmel. Anm. des Verfassers: Wer nicht fühlen kann, muß hören. Aber, wer hätte das schon gerne gefühlt. Septus schwang sich wieder hinauf in die sicheren Gefilde seiner Dachstube, denn schließlich sollte diese Reise noch ins Bananenland gehen. Er fiel wie ein Stein ins Bett. Es war fast Mittag. Und während ganz Deutschland diese Stunde zu huldigen verstand, ging die ASTORIA wie geschmiert im Hafen BANANIAS vor Anker. An Bord war eine Stimmung, als hätte man das Leben neu entdeckt. Obwohl der Kapitän mehrfach zur Ruhe ermahnte, geriet das Schiff durch den Ansturm der Passagiere, die nach Monaten der Einpferchung auf rauher See nun endlich an Land wollten, in eine gefährliche Schräglage. Die ASTORIA kippte um und die Menschen an Bord wurden mitsamt ihres Gepäcks von Bord gespült. Septus, als (wieder mal) Überlebender, schwang sich sofort an die Henkel seiner Koffer und nahm sich das versprochene Zimmer mit Blick aufs weite Meer. Und in der Tat fand er sich bald in einem Zimmer wieder. Das weite Meer indes, war fern. Es offenbarte sich ihm hier in Gestalt eines gigantischen Aquariums von zwei mal drei Metern Grundfläche. Ein Kugelfisch unbekannter Herkunft schwamm nach Luft schnappend an der von Bananen übersääten Wasseroberfläche. "Bitte nicht füttern!" Nächste Fütterung 12 Uhr. (Ein merkwürdiger Hinweis, gerade jetzt.) Bald erkannte er aber den Molch. Der kam aus dem Düsseldorfer Zoo und konnte wenigstens: "Ah", sagen. Mit einer Weinbergschnecke, die ertrunken auf dem Grund des Meeres lag, wußte er nichts anzufangen. Wenigstens war er jetzt am Ziel seiner Reise angelangt. Nachdem er seine Koffer geöffnet hatte, mußte er feststellen, daß sie ihm gar nicht gehörten. Mit 12 Büstenhaltern, einem Köfferchen mit Schminke zur Vertuschung des Alterungsprozeßes war ihm hier nicht geholfen. Er war wohl einer, der immer ins Fettnäpfchen trat. Seis drum. Auch er wollte leben, keine Frage. Wer wirklich böse zu ihm war, den mochte er nicht leiden. Warum liebte er dann seinen Vater? Bananenland war klein. Es gab das Reife und das Unreife, das Vollkommene und das Fertige. Die Behörden hier waren streng. Septus, der mit seinem linken Zeigefinger ja schon voll im Leben stand, entschied sich daher für vollkommen fertig. Eine Disposition von dieser Größenordnung wollte die Behörde ihm aber nicht zugestehen. Es ging entweder nur vollkommen oder fertig, reif oder unreif. Man durfte diese Begriffe nicht miteinander verknüpfen. Schließlich entschied er sich für Vollkommen und trug sich gemäß der hiesigen Vorschrift in das Grundbuch Bananenlands ein. Im Bananenland gab es nur rote Backsteinhäuser. Das eine reihte sich oft an das andere, zumeist standen sie sich auch gegenüber, getrennt durch eine Strasse. Und während Mütter stolz ihre Kinderwagen durch diese Schneisen schoben, vergaßen sie, um des Stolzes Willen, glatt deren Inhalt. Protest allein macht aber noch keinen Menschen. Oposition kann, wie zuoberst hinlänglich beschrieben auch zum Zwang werden. Es waren die Kinder, die ihre Mütter nicht mochten. Es waren die Kinder, die im Angesicht dieser Realität reihenweise aus ihren Wagen gesprungen wären, wenn ihre Abhängigkeit sie nicht dazu genötigt hätte, still zu bleiben. "ich bin mir so unsicher aller Dinge, dass ich gar nicht weiß, wer ich bin, oder zu wem ich gehöre", sagte eine dieser Frauen. "So soll wenigstens mein Kind mir gehören, mir ganz gehören. Ich möchte, dass ES, endlich ICH wird." Anm. des Verfassers: Ein unvorhergesehenes Gedicht: (Ruhe erbeten! Der Dichter denkt!) Ich kam einst aus der Laube. Der Abend war schon mächtig spät. Und, wie ich vor die Türe trat, schnitt eine Frau vor mir Salat. Was meine Augen sahen, an diesem schönen Tag, glaubt nur ein Mensch, der mich auch mag. Und das Schöne an dem Mist, Das Leben geht nicht ohne List. Was ich dieser Frau versprach kann keine Seele je ermessen. Es sei denn, man hätte sie aufgefressen. Good Morning Banania! Good Morning Banania! Hier ist sie wieder, die Sendung für alle soeben gewordenen Mütter und ihre schrägen Väter, die nicht zur Arbeit wollen! Ist es ein Junge? Ist es ein Mädchen? Was spielt das für eine Rolle! Die Welt ist schlecht, aber mein Kind ist da! Es wird uns aus unserer Not reißen! Es wird sehen, was wir uns immer erhofften und überhaupt wird es nicht blind sein! Good Morning Banania! Das Kind ist da, das Kind ist da! Es wird uns verraten und verkaufen! Es sieht ja, es sieht ja, es kann ja sehen! Du must aber schön artig sein, schließlich gehörst du uns. Nie würden wir es übers Herz bringen, dich alleine zu lassen. Du sollst selbst dann noch in diesen unsichtbaren Ketten liegen, wenn dich das Gemoder deiner Gruft umringt und Maden dich zerfressen! Du magst deine Not zwar herausschreien, aber das wird dir nichts nützen, weil selbst deine Freunde auf unserer Seite sind. Wir wären die Letzten, die dir Böses wollten. Für dich würden wir sogar sterben, und, im Grunde, sind wir sogar für dich gestorben. Ja, hast du denn gar kein Verantwortungsbewußtsein? Schließlich bist du ein Säugling. Und du wagst noch, zu fragen, was das heißt? Wir sind immer für dich da, egal, was da kommen möge. Wir haben dich immer geliebt. Ein Versuch war es wert, allemal. Warum zweifelst du? Good Morning Banania! Hier ist sie wieder, die Sendung für alle Greise im Greisenalter, die auf ihre Falten im Gesicht scheißen. Religion ist eine Glaubensfrage. Bitte, jetzt seid ihr am Zuge.... Die Mutter: fiel um. Der Vater: war schon tot. Der Bruder: spielte Ballerspiele. Die Freunde: waren begeistert. Der Autor: transpirierte. Ein Vergessener: Hallo? Ein zufällig Herbeigeeilter: Ich hätte nie gedacht... zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |