MORGENTAU
"Morgentau, das klingt irgendwie After eight." , sagte Baronin von
Fillefitz Soltau Heiden während eines lichten, hochgeistigen Momentes, als
sie sich, noch im Halbschlaf gefangen, wie eine Gewöhnliche in ihrem
hochkarätigen Himmelbett räkelte, sich reckte und streckte nicht ohne
ihrem Manne, der sich allerdings im Tiefschlaf befand, ihre geballte Faust
mitten ins Gesicht zu schlagen.
Der Baron öffnete seine Augen. So sehr ihn die schlimme Krankheit seiner Frau auch langweilte, so sehr er deren Auswirkung auf seinen Körper auch zu ignorieren verstand, so sehr sie sich auch zuwider waren, - so sehr liebte er sie. "Aua!", schrie der Baron, nachdem die Faust seiner Frau ihn schlagartig aufgeweckt hatte. "Halb neun erst, stimmt. Morgentau?, - keine Ahnung." Hocherbost über diese äußerst flache Reaktion ihres Gatten, schärfte sich die Baronin vorsorglich ihre Krallen. Ihre Zeichen mußten sich deutlicher von dem Gesicht des Barones ablesen lassen, wollte sie überstehen. Im Grunde aber konnten sie sich nicht beklagen.
Vor ihrem Schloss schwammen silberne Schwäne in vergoldeten Seen, und
wenn es einmal regnete, dann war es Hanf, der in Scharen vom Himmel
fiel, ein Rohstoff, der, gerade weil er sanft wirkte, starke Emotionen
wie diese hervorrief.
In Wirklichkeit aber war es nur eine Schwäche des Sinns, die sie schon so lange zusammenleben ließ, und nichts als der Tod würde sie noch auseinanderbringen können, so wahr ihnen Gott hülfe. Nachdem die Baronin ihren Gatten erwürgt hatte, erschoß sie sich. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |