SCHRITTE IM TREPPENHAUS



Zwölf von Fünfhundert Dreiuhrfünfzehn. Ich höre Schritte im Treppenhaus. Im Flur steht ein alter, bärtiger Mann, den ich nie zuvor gesehen habe. Wer bist du?, frage ich ihn. Er aber schüttelt nur seinen Kopf, schubst mich beiseite, geht in meine Wohnung und setzt sich vor den Fernseher. Vorher holt er sich aber noch eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank und dreht sich eine Zigarette von meinem Tabak. Nun, da ich ein toleranter Mensch bin, lasse ich ihn gewähren, - was solls, denke ich bei mir, eine Flasche Bier, die will ich ihm gerne gönnen und auch mit dem Rauchen will ich ja aufhören. Ich gehe wieder ins Bett und versuche einzuschlafen. Der Mann wird vermutlich ein Landstreicher sein. Draußen ist es bitter kalt, wann hat er wohl sein letztes Bier vor einem Fernseher in einem gutbeheizten Zimmer getrunken?

Fünfuhrvierzehn. Ich höre schon wieder Schritte im Treppenhaus. Im Flur stehen vierzig alte, bärtige Männer, die ich nie zuvor gesehen habe. Wer seid ihr?, frage ich sie. Sie aber schütteln nur ihre Köpfe, schubsen mich beiseite und setzen sich vor den Fernseher. Vorher holen sie sich aber noch vierzig Flaschen Bier aus dem Kühlschrank und drehen sich vierzig Zigaretten von meinem Tabak. Nun, da ich immer noch ein toleranter Mensch bin, lasse ich sie gewähren, - was solls, denke ich bei mir, vierzig Flaschen Bier, die will ich ihnen gerne gönnen, und auch mit dem Rauchen will ich ja aufhören. Ich gehe wieder ins Bett und versuche einzuschlafen. Die Männer werden vermutlich Landstreicher sein. Draußen ist es bitter kalt, wann haben sie wohl ihr letztes Bier vor einem Fernseher in einem gutbeheizten Zimmer getrunken?

Sechsuhrachtundzwanzig. Schritte im Treppenhaus. Im Flur stehen fünfhundert alte, bärtige Männer, die ich nie zuvor gesehen habe. Wer seid ihr?, frage ich sie. Sie aber schütteln nur ihre Köpfe, schubsen mich beiseite und setzen sich vor den Fernseher. Vorher holen sie sich aber noch fünfhundert Flaschen Bier aus dem Kühlschrank und drehen sich fünfhundert Zigaretten von meinem Tabak. Komisch, denke ich, so viele Flaschen passen doch gar nicht in meinen Kühlschrank. Außerdem liegt auf dem Tisch immer noch das selbe Päckchen Tabak.
Das will ich aber überprüfen! Ich öffne den Kühlschrank. Ich zähle fünfundsechzig Flaschen Bier. Hm... gestern Abend waren aber nur vier Flaschen im Schrank. Die Männer haben aber auch kein Bier mitgebracht. Auch das Päckchen Tabak ist noch zu gut zwei Drittel gefüllt, aber alle Männer haben eine Zigarette im Mund !? Ein schrilles Geräusch unterbricht jäh meine Gedanken. Es ist der Wecker.

Sieben Uhr. Schritte im Treppenhaus. Im Flur steht mein Arbeiskollege, der mir sehr wohl bekannt ist. Wer bist du?, frage ich ihn. Er aber schüttelt nur seinen Kopf und sagt: Hast du schlecht geträumt? Muß wohl, gebe ich zur Antwort. Dann fahren wir zur Arbeit als wäre nichts geschehen.



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