DIESER ELENDE TROTZDieser elende Trotz, der sich unbemerkt in mein Leben geschlichen hat, ja zu dessen Inhalt geworden ist, mit dem ich mich krampfhaft dagegen zur Wehr gesetzt habe, mich ganz zu verlieren, obwohl ich mich damit eigentlich verloren habe, dieser Starrsinn, der das Ende der Gefühle bedeutete, jede Regung der Seele unterdrückend, diese Hilflosigkeit, die daraus entstand, dieses sich klammern an Pflicht, Gesetz und Ordnung, um nur nicht zu merken, daß ich selbst gar nicht mehr da war, dieser gewaltige emotionale Druck, der mich zum Mörder hätte machen können, wenn ich nicht den Weg an den Schreibtisch gefunden hätte, diese schreckliche unbewußte dumpfe Angst, vor der Gewalt, die in mir steckte, die ich nicht fassen konnte, obwohl das ganz normale Leben nach außen hin weiterging, (es war ja eigentlich auch nichts, außer das sich mein Innerstes nach außen gestülpt hatte, so daß ich vergaß, daß Menschen mit denen ich darüber hätte sprechen können, nicht zu meiner Innenwelt gehörten, sondern eigenständige Individuen waren, die mir vielleicht hätten helfen können), diese schreckliche, quälende Einsamkeit, in die ich mich geflüchtet hatte, diese grausame Trennung zwischen Kopf und Körper, als steckte der Säbel eines Samurai in meinem Hals, diese seltsamen Kopfschmerzen, als zöge mir jemand die Kopfhaut bei lebendigem Leibe ab, die aus all dem resultierende geistige Verwirrung und Rastlosigkeit, die mich auf nichts mehr wirklich konzentrieren ließ, dieses Leben ohne Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte und Begierden, dieses Leben ohne Schlaf, ohne Traum, ohne Phantasie, ohne Perspektiven, diese innere, dröhnende Stimme in mir, die unaufhörlich plapperte und mich meine Geschichten aufschreiben ließ, die nicht aus dem archetypischen Unbewußten stammten, sondern Gefühle meiner frühesten Kindheit zum Ausdruck brachten, die so stark an die Oberfläche drängten, daß ich dachte sie nicht zu überleben wenn ich sie als solche gefühlt hätte, und ich sie deswegen mit erfundenen Gestalten verknüpfte, sie hastig zu Papier brachte um sie fast ungelesen in meinem Ordner verschwinden zu lassen, dieser alptraumhafte Zustand, in den ich so geriet, dieser Zwang diese Stimme plappern zu lassen damit ich diese Gefühle einerseits leben, andererseits aber von mir fortschieben konnte, da es sich ja lediglich um Geschichten handelte, das aufkeimende Bewußtsein, daß mir meine Geschichten so natürlich nur bedingt weiterhelfen konnten, insofern daß sie mein Leiden allenfalls linderten, nicht jedoch aufheben konnten, die daraus resultierende emotionale Zerissenheit, der Verlust der Gesamtheit meiner Gefühle, meine Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, die unbändige Wut darüber, nicht geliebt sondern nur benutzt worden zu sein, all das kann nur in meiner Phantasie leben, in meinen kleinen Geschichten, die mir einerseits alles, andererseits aber auch wieder nichts bedeuten, da sie für mich nur aus Haupt und Nebensätzen bestehen, deren tatsächliche Bedeutung, die sie für mich haben eben NICHT verstehe. Ich konnte damals diese schreckliche Wahrheit nicht begreifen. Ich habe mich versteckt gründlich versteckt. Ich dachte, ich müßte sterben, erführe ich von meiner Existenz. Das ist heute nicht anders. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |