DIE UNTERSCHRIFT



Bild von Hieronymus Bosch




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Einen Mörder durch Ermorden zu vernichten, zeugt von der Freude am Morden.
Sie kann nur das Ergebnis des eigenen psychischen Selbstmordes sein.
Gibt einem das Gesetz, dieses sogenannte, erst die Rückendeckung, dann bereitet es geradezu Spaß, genau das zu wiederholen, was der Delinquent womöglich aus größter Verzweiflung heraus getan hat. Man will ihn ja gar nicht verstehen, denn sonst müsste man sich in seinem Handeln selbst verstehen.
Die Rache, die der Staat somit am Täter vollzieht, ist nichts Anderes als die Rache, die der Täter am Opfer bereits vollzogen hat.
So wird jedes einstige Opfer sich, früher oder später in der Täterrolle wiederfinden, solange er sein eigenes Opfer-Sein nicht durchschaut.

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Es gibt nichts Wichtigeres im Leben als die eigene urpersönliche Unterschrift.
Das Leben fängt mit der Unterschrift an und hört mit ihr auf. Dem Neugeborenen wie dem soeben Verstorbenen steckt man den Stift zwischen die Finger und schreit: Hier, ihre Unterschrift bitte!
Wenngleich wir uns auch dagegen sträuben, weil wir am Beginn unseres Lebens NOCH nicht wissen, und nach der Beendigung desselben NICHT mehr wissen, was wir tun, so leisten wir während unseres Lebens fleißig unzählige Unterschriften.
Manchmal sind wir so mit uns beschäftigt, dass wir uns insgeheim dabei ertappen wie wir selbst vollbeschriebene Tageszeitungen mit unserem Namen bekleckern. Das Leben steht und fällt mit der Unterschrift.
Sie ist so wichtig wie der Name, der dort geschrieben steht.
Hierzu ein Beispiel aus dem täglichen Leben:

Man kann wie gesagt viel unterschreiben.
Das geht von den losen Blättern der harmlosen Linde bishin zu seinem Todesurteil.
Gültig ist eine solche Unterschrift aber nur, wenn sie an der rechten Stelle geleistet wird, besonders beim Todesurteil, über dem Strich... grundsätlich über dem Strich zeichnen!
Das ist am Sichersten.
Die quadratischen Kästchen, gleich rechts neben dem Strich, gelten der Eintragung seines Namens in lesbarer Druckschrift, wobei pro Kästchen maximal ein Buchstabe eingetragen werden darf.
Womöglich reagiert die Elektronik hier äußerst sensibel auf Schmierereien.
Kürzlich klingelte der Scharfrichter selbst bei meiner Tante Olga an, obwohl sie gar nichts verbrochen hatte.
Links kommt noch das Datum hin und zwar nicht das, der Vollstreckung sondern das, der Unterzeichnung.
Die Striche ganz unten haben den Verurteilten allerdings nicht mal im Todeskampf zu interessieren.
PFUI BA! DIESES SCHWEIN!!
Hier unterschreibt nach vollstreckter Vollstreckung LINKS, der Vollstrecker und RECHTS der Präsident (der Richtigkeit halber).
Zur allerdings gebührenpflichtigen Beschreibung dieses Kampfes benutzt man im Allgemeinen das weiße Feld zwischen den Strichen sehr gern.
All diese noch unbeschriebenen Flächen des Vertrages sieht auch der Verurteilte.
So kann er sich wenigstens einbilden, daß seine Mörder unbeschriebene Blätter sind, die erst über ihn lachen werden, nachdem er das Zeitliche gesegnet hat.

(Für George Bush)


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