TRAUMHOCHZEIT



Heuler

Kaschemme war schon vieles. Jetzt war er Bauer. Er hatte damals, bevor er seine Frau kennenlernte mit Rasierklingen gehandelt. Auf Wochenmärkten war er sehr gerne gesehen. Dort, lernte er auch irgendwann seine Frau kennen, eine spindel-dürre, selbst am Geschlecht noch gepiercte Rattenbesitzerin aus der schwarzen Szene, welche, an jenem verheißungsvollen Tage, nach preiswerten Rasierklingen für ihr Lady-Shaving Ausschau hielt. Es war Liebe auf den ersten Blick! die Heirat wurde auf der Stelle vollzogen, weil der Schuhmacher vom Stand nebenan ein evangelischer Hobbypfarrer war, dem jede Ernsthaftigkeit, bei Gott, fehlte.
Auch der Ehering für den Mann war schnell gefunden. Die Auserwählte trug nämlich zufällig ein passendes Teil an ihrer Rosette, das sie, zwecks Vollzug der Zeremonie nun hergeben sollte. Hierzu rief man den Schlächter des Abtshofes vom Stand gegenüber herbei, eine Wikinger-ähnliche Gestalt, die, allein schon auf Grund ihrer äußeren Erscheinung, zu moderater Betäubung durchaus im Stande schien. Nach einem gezielten Fausthieb auf ihren Kopf brach die Braut schmerzlos zusammen und blutete unter großer Anteilnahme der Marktbesucher erst einmal gründlich aus, wie ein geschächtetes Schaf es nicht besser gemacht hätte.
Nachdem mehrere Versuche des Schlächters den Ring aus der Rosette zu bergen, wegen zu dicken Fingern, kläglich scheiterten, erbarmte man sich, eine Mitarbeiterin vom Fingernail-Studio ganz in der Nähe herbeizurufen.
Die asiatischen Damen waren für ihre dünnen Finger mehr als bekannt im Ort.
Letztendlich auf sie zurückgreifen zu müssen, war den Beteiligten deswegen fast peinlich. Dankbar, darauf einigte man sich vorher einmütig, wollten sie, falls sie es schafften, den Ring zu entfernen, aber nur zum Schein sein. Sich dafür entschuldigen, das konnte man, falls Gewissensnot bestand, ja Sonntags, beim staatlich anerkannten Beichtvater immer noch...weil, Gott vergibt ja alle Sünden und rechtfertigt somit unseren Hass.

Wo sind die weinenden Kinder?



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