DER WEISSE MANN



Der weisse Mann

Ich habe ihn nun gesehen, den weißen Mann. Er saß Zeitungslesend in der städtischen Bücherei. Auf einem Tisch vor ihm, türmten sich Stapel monumentaler Bücher naturwissenschaftlichen Inhaltes hoch auf.
Der Mann trug einen grünen Parka, eine dunkelbraune Jogginghose, die an den Seiten von dünnen, ehemals weißen, mittlerweile vergilbten Streifen geziert wurde, sowie kniehohe Anglerstiefel mit angenähtem Bördchen zum Zubinden. Seinen Kopf bedeckte eine zu heiß gewaschene Matrosenkappe, die fortlaufend auf den Boden fiel, da sie auf diesem profillosen Schädel einfach keinen Gripp fand. Auf einer keilförmigen, dünnen Nase steckte eine schwere Hornbrille, die seinen Kopf auf Grund ihres enormen Gewichtes, sowie von einer angeborenen Kurzsichtigkeit ihres Trägers begünstigt, tief in den Keil der vor seiner Nase aufgeblätterten Zeitung versinken ließ.
Der weiße Mann studierte das Abendblatt sehr intensiv. Manchmal tauchte er gähnend aus der Zeitung auf, schlürfte an einem ungenießbaren Automatenkaffee, den er vor dem Genuß durch Hinzugabe einer reichlichen Portion Cognak entgiftet und somit erst genießbar gemacht hatte, oder versuchte, seine soeben gewonnenen Erkenntnisse noch zu vertiefen, indem er oft Stunden lang in den dicken Büchern wälzte, die er, warum auch immer während der Lektüre manchmal ohne ersichtlichen Grund herumdrehte, -eine mitunter nützliche Tätigkeit, da sie dem weißen Mann schließlich die Erkenntnis zu Teil werden ließ, daß er sein Abendblatt wohl auch auf dem Kopf hielt. Selbstverständlich hatte er sich darüber geärgert, daß der Bundeskanzler Kopf stand, oder daß die Düsen auf dem Foto vom Start der Ariane-Rakete gen Himmel zeigten.
Der Leserbrief eines empörten Abonnenten brachte dem weißen Mann entgültig Aufklärung.



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