SCHWARZ AUF WEISS



Psychiater "Was meinen die Leute, wenn sie mit leuchtenden Augen: "Jetzt hab ichs schwarz auf weiß!", sagen?", - so entsprang es dem sich auf der Couch des Psychiaters "van Opdenbrenk" gelangweilt räkelnden Patienten, nachdem sich die sterbliche Hülle einer riesigen Kaugummiblase sanft über dessen Gesicht gelegt hatte.

"Können Sie noch etwas sehen?", entgegnete van Opdenbrenk, während er flehenden Blickes die antike Wanduhr anstarrte, auf daß sie doch endlich schneller gehen mochte. Die Zeit schien hier in der Tat vor dem Teufel halt gemacht zu haben.

Dieser Patient, Namens Brock, der sich für den "eingebildeten Kranken" frei nach Moliere hielt, galt in der psychotischen Fachwelt, als die Herausforderung schlechthin. Niemandem war es bisher gelungen, Brocks Einbildungskraft soweit einzudämmen, daß er wieder ein angepasstes Leben in der Gesellschaft führen konnte. In Folge dessen wurde das Gros der Psychiater in Ignoranz jeglicher Einbildung tatsächlich schwer krank und warf sich bevorzugt vor stehende Züge auf Abstellgleisen.

Und jetzt war ausgerechnet er, Roderich von Opdenbrenk, an der Reihe, den Fall Brock endlich zum Abschluß zu bringen.

250 Fernsehteams aus allen Erdteilen belagerten seit Wochen die Villa des Psychiaters. Jedes ungewöhnliche Geräusch, das Wanzen selbst bis nach Tasmanien übertrugen, löste ein infernalisches Blitzlichtgewitter aus. Die Nacht wurde zum Tag, den man allerdings nie vor dem Abend loben sollte. Alle Welt schaute auf van Opdenbrenk.

Reporter spekulierten sich den Mund fusselig, bis sie schließlich vor laufender Kamera einschliefen. Diese willkommene Abwechslung des Ereignisses war auf Grund ihrer belustigenden Art ein Garant für hohe Einschaltquoten. Van Opdenbrenk war auf dem besten Wege dabei, berühmt zu werden, bevor auch er erfolglos zu sterben hatte wie all seine Kollegen vor ihm es auch brav getan hatten.

"Ja", murmelte es aus der sterblichen Hülle Brocks, "ich kann Sie sehen, aber nur verschwommen. Der Gummi ist schuld, der Gummi!"

Van Opdenbrenk haderte mit sich und seinem Geiste: Hieß es nicht "DAS GUMMI?" Dieses "Material" war ja auch schließlich nicht im Stande, dem Phänomen des Autismus zu Leibe zu rücken, sondern verhalf eher, ungewollte Empfängnis zu verhüten, oder Kindern zum fröhlichen Spiel mit ihrem FLUMMI. Van Opdenbrenk jedenfalls, starb wie vorhergesehen an seinem ausgesuchten Tag.



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