FÜNF WISSENSCHAFFTLER



Es waren fünf Wissenschaftler, doch unfähig zu wissenschaftlicher Arbeit. Der eine, ich glaube es war ein etwas hagerer Schwarzhaariger, erfand eine wässrige Lösung, die, in Maßen verabreicht, zu verbesserter Weitsicht führen sollte. Der zweite schuf einen Saft für die Toten, auf daß sie endlich das Geheimnis des Sterbens offenbarten. Der dritte, ein langer nervöser Typ, brachte kleinen hilflosen äffchen auf künstlicher Basis das Rechnen bei.
Über den vierten Wissenschaftler ist mir wenig in Erinnerung geblieben. Ich glaube aber zu wissen, daß er sich immerzu bedroht fühlte. Ach ja, jetzt fällts mir wie Schuppen von den Augen, - er hatte die Fähigkeit erfunden Angst zu übersehen, die dadurch zum Motor ihrer Wissenschaft wurde. Der fünfte, ein dicker Koloß, war mehr Verfechter dieser Wissenschaft, hielt große Reden, begeisterte das Volk, was auf Grund seiner mächtigen Statur ein Kinderspiel war, da zudem die Fähigkeit Angst zu übersehen, in jeder besseren Apotheke rezeptfrei und billig zu haben war. Nicht zuletzt aus diesem Grunde wurde das Volk schon bald von einem seltsamen, rauschartigen Zustand befallen. Die Angst wucherte wild darin herum, was schließlich zu einer gespannten Ruhe, einer explosiven Scheinheiligkeit führte.
Ach, wie freuten sich die Politiker fast aller Parteien über diese neue Errungenschaft der modernen und freien Wissenschaft, denn von nun an waren die Affekte des Volkes, das Volk selbst also, lenkbar.



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