DAS WORT IM RAUMzwischen den Zeilen ein Psychogramm ![]() Artwork by JÜRGEN KLAUKE Unbequeme Denker sterben, so gern man das hätte, nicht aus Diese Schrift sei allen unbequemen Denkern zugedacht die sich aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus zwar mit der Unbequemlichkeit beschäftigen niemals jedoch wirklich unbequem sind. Das sind die LIEBEN dieser Gesellschaft Das sind die bildenden Künstler Sie morden oft nicht Sie stellen den Mord nur dar oder werden manchmal wahnsinnig So heben sie sich wie der Mörder auch angenehm vom Allerweltseinerlei ab Sie kommen zur Welt und bilden sich ein, von Jedem gemocht zu werden. Die besondere Tragik daran ist nur, daß sie gemocht werden müssen und gerade von denen, die sie verzweifelt zu lieben versuchen und gerade von denen, die sie so abgrundtief hassen. Zerbrochene Herzen suchen das Herz Zerbrochene Herzen finden das Leben oft in ihren Sprossen wieder und dort wird es im Vorbeigehen zermalmt Sie stellen sich damit allerdings gleich zwei ihrer Beine und die kommen auch noch auf Händen und Füßen daher Das ist mir ja ein komischer Tanz Darum bin ich auch froh, ein Künstler zu sein Ich bin nur ein schäbiger holländischer Käseschmierer mit Löchern im Kopf und an den Drüsen. Hier eines, da eines und besonders dort wo der Kamm nicht mehr hinkommt. Ich schäle Kartoffeln auf 630 Mark Basis. Ich bremse auch für Tiere, aber nur wenns drauf ankommt. Larry, der Köter meines Nachbarn, Gott hab ihn selig, fand trotz ABS ein jähes Ende unter den quietschenden Reifen meines Wagens. Er wurde zerquetscht, zermalmt und in fünf Teile gerissen. Meine Oma hat ihn flugs wieder zusammengenäht. Die Reifen waren allerdings dahin. Endlich Ruhe im Stall. Stroh kann nicht bellen, aber es stinkt oft zum Himmel, der auch nichts dafür kann, daß er der Himmel ist. Ums Stroh kümmere ich mich später. Wir singen das Lied auf den toten Hund. Psalm Beach, dritte Strophe (Orchester!) Der tote Hund, der tote Hund war gerade noch sehr kerngesund Jetzt liegt er da, platt wie ne Flunder sein Herrchen hofft noch auf ein Wunder Hosanna in der Höse Er ist dem Töter böse Wir stehen auf. Jetzt essen wir, was auf den Tisch kommt Wir essen den Hund Wir tragen sein Fell Wir trinken sein Blut LAMBRUSCO! Wir verkorksen die Flaschen Bitte, nehmen Sie gehörig Platz. Folgt nun die Weisheit der Woche: Vater unser, der du nicht wirklich bist und den wir so suchen, was hast du uns heute zu sagen? Liebe Gemeinde Sie sehen mich hier zwar in gewohntem Gewande, doch, wie sie vielleicht schon bemerkt haben, ist es mir heute viel zu groß geraten. Ich möchte damit nicht sagen, daß es womöglich gewachsen ist, was allerdings den Schluss nahelegt, ich müsse über Nacht geschrumpft sein. Doch nichts von Alledem ist wahr. Wahr ist vielmehr, daß der Pfarrer gestern einem Herzinfarkt erlegen ist, und ich in meiner Person damit beauftragt wurde, Ihnen weiszumachen, ich sei er. Warum das so ist, kann ich, in meiner üblichen Eigenschaft als Straßenkehrer nur erahnen. Ich sage es mal kurz und knapp: Fiele der moralische Arm des Pfarrers weg, dann ratterten die Säbel binnen Sekunden auf Teufel komm raus. Die Welt würde im Chaos versinken, Väter erschlügen ihre Mütter, die Männer die Frauen, die Kinder die Frösche, die Frösche die Salamander, die Salamander die Molche, die Molche die Lurche, die Tavernen die Laternen, und die Mutter schlüge derweil, vielleicht nichtsahnend, die Wäsche aus. All dies geschähe in lausiger Nacht, bei Wind und Wetter, bei Regen und Schnee, bei Sonne und all ihrem Schein. Wir müssen das Licht sehen! Ach, halt doch die Schnauze! Lassen sie mich zunächst dazu anmerken, daß nur wer wirklich glaubt auch selig wird. Die Kirche vertauscht nämlich Ursache mit Wirkung. Ursache ist: Man will nur mal eben Tach sagen. Wirkung ist: Was will dieser unwürdige Sünder von uns? Man verläßt die Kirche immer irgendwie als Verlierer. Man hörte von unsäglichen Schlachten und bekam einen Leib aufgedrückt, den alle Christi nannten. Man konte ihn sogar essen. Rund war die Scheibe, sie schmeckte nach Nichts. Ich fühlte den Gott verzweifelt auf Zähnen. Den Fremden verschluckt man doch gern. Laßt uns doch froh sein, das er als Hostie daherkommt. So wird man einersreits erinnert, andererseits jedoch verwirrt, weil NICHTS kann wieder herstellen, was wir nicht hatten, doch alles deutet darauf hin. Mitunter schäme ich mich sogar für meine Kreativität, die im Grunde so einfach daherkommt. Merkwürdigerweise geht man, oder gerade weil man meint, verloren zu haben, dorthin und ist am Ende genauso entäuscht wie am Anfang. Sie heißt einen zunächst willkommen und stößt uns, als Anders-Denkende auch schnell wieder ab, obwohl ich im Grunde ja eigentlich gar nicht anders denke, wie der Stamm. Ich denke nur laut aus, was leise verschwiegen wird. Ich sags ja nicht wirklich. Ich sprechs ja nie aus! Darum glaube ich auch und werde auch weiter glauben. Ich werde dem Glauben allerdings nichts schenken, denn schließlich ist es meiner, nun gut. Mir wurde jedenfalls gesagt, ich solle mich so unauffällig wie möglich verhalten, aber da meine Hände nicht im Geringsten über den Ärmelrand hinausragen, weswegen es mir auch unmöglich ist, im Oktavheft zu blättern, erscheint mir diese Aufgabe im Grunde als unlösbar. Du sollst dir kein Bild machen. (was malt er denn da?) Du sollst keine Filme drehen. (jetzt hat er schon den Zweiten über das Fußende seines Bettchens gedreht) Du sollst nicht zeichnen. (warum zerreißt er die bemalten Blätter und klebt sie dann so wirr durcheinander wieder zusammen?) Du sollst nicht musizieren. (ohne Noten?, das kann ja nichts sein) Du sollst nicht fotografieren. (nein, das sollst du nun wirklich nicht) Du bist verurteilt, zu warten. Worauf? Warum? Für wen? Wir fördern dich doch. (warum ist er nur so furchtbar nervös?) Sollst durchschnitt sein und bleiben. Damit kämest du gut weg unter den dich quälenden Neidern. Also halte dich fein still, daß ja niemand etwas von dir bemerkt. Du schwimmst mit dem Strom. Du bist hier an der Grenze deines Verstandes, am Ende deines Tuns angelangt. Mehr kannst du beim besten Willen weder machen, noch erreichen. Du hast das Ziel deiner Reise scheinbar gefunden. Dein Ziel kennst du sehrwohl genau. Dein Ziel ist ein Fixpunkt im Strudel deiner Gedanken. Dein Ziel ist, wenn man es recht bedenkt, ein Nichts. Und doch, er hat etwas, dieser Punkt und sei es nur, du könntest dich darauf ausruhen, Kraft schöpfen, dich sammeln. Das haben die Götter dir leider verboten. So kommt es zu Bildern wie diesen: Das Bild am Sonntag ist eher schwammig. Es ist ein Abbild der Neurose. Es möchte uns aufsaugen. Das Bild am Sonntag ist der Wischmob der Moderne. Am Morgen sind die Bürgersteige wieder rein. Was ist, wenn nichts mehr geht? (Zitat: Peter Hacks) Klare Figuren tänzeln behende übers Pflaster, krumm und müde, schräg und komisch, ältlich und verwelkt. Beinauf, beinab. Manchmal bücken sie sich nach einem ebenso welken Blatt, das nicht dort hingehört. Oft schauen ihre Augen es zunächst böswillig an, bevor es in der Öko-Tonne ein jähes Ende findet. Nein, hier hat es wirklich nichts zu suchen. Hose, Turnschuh, Minirock. Das ist mein kurzer Weg zur Arbeit. Der geschieht sehr schmerzlos im Bus. Ich nehme grundsätzlich die 19 um 7.54, dort sitzen die Gäste nicht ganz so gedrungen, eher locker verstreut, ein Jeder auf seinem Platz, verloren herum. Man trägt hier Röcke und Hosen, spitze wie stumpfe Hacken geschwollene Dauerwellen oder die verschüchtert dunkle Hautfarbe der Neger, doch die Kürze des Verweilens verbietet näheren Kontakt, zumal Schwarz und Weiß sich eh nichts zu sagen haben. Schwarze gehören auf den elektrischen Stuhl verbannt, damit aus Ihnen einmal das wird, wonach ich mich sosehr sehne. Die Hose sagt: Ich bin nicht die einzige Hose meines Trägers. Außer mir gibt es noch Unterhosen und weichzarte Binden aus finnischem Elchfell. Darunter kommt sogar die nackte Haut zum Vorschein. Der Turnschuh sagt: Ich bin gar nicht sportlich veranlagt, sondern dazu geschaffen, sportlich Veranlagten zu dienen. Mich kann im Grunde jeder tragen. Ich bin halt ein bequemes Paar. Der Minirock sagt: Ich bin nur ein Lappen aus Stoff oder Leder. Trüge man mich am Kopf, erweckte ich womöglich den Eindruck eines Trichters. Trüge man mich dorthin, wo ich hingehörte, wären die Eindrücke sofort ganz Andere. Ich will nicht mehr zurück. Was Menschen in mich hineininterpretieren liegt demnach gewiß nicht an mir. Sollen sie nur. Mich kann man halt nur auf der Reise erwischen, wenn überhaupt. Der rechte Stoff zur rechten Zeit an der rechten Stelle getragen, löst oft den Reiz erst aus. Kunst wird es, wenn, wie beschrieben, die Zweckentfremdung mit eingreift. wenn also der rechte Stoff zur schlechtesten Zeit an den unmöglichsten Stellen getragen wird. (man sieht den Minirock am Bein plötzlich am Kopf) URLAUB Sanduhr am Strandkorb NATUR Maulwurf im Regen MODERNES LEBEN Töner im Haar SEXUALITÄT HEUTE Kondom überm Zwerg! AKTUELL Maul frißt Klauenseuche MORD AM SONNTAG (Foto) Das ist die Frau, die ihr Baby in der Wanne ertränkte (Das Bild am Sonntag ist der Pranger der Woche) Daisy fickt halt alle gern. So sprecht mir denn nach: Die Gemeinde möge sich erheben über diesen Sumpf Denn wir sind das Volk das reine und klare wir ächten den Abschaum, die Sünde, den Mord an uns selbst hoch lebe das klärende Weltbild am Sonntag hoch lebe die Reinheit des Geistes die Kraft und die Selbstherrlichkeit in Ewigkeit so habt denn kein Erbarmen mit euerem verkümmerten Selbst erschlagt sie, die Schwäche, bevor sie euch zuteil wird hebt stolz euere blutige Brust doch senkt eueren Kopf im Angesicht des austauschbaren Stärksten denn er hat die uneingeschränkte Macht des Sagens wenn er sagt,töte, dann tötest du wenn er sagt, liebe, dann bist du lieb wenn er sagt, geh spielen, dann gehst du spielen was spielst du? Töten, was sonst. Wenn du den Schlüssel zu deinem Haus nirgends mehr finden kannst dann gehe hin zu dem albernen Schuster vor den Toren der Stadt und frage ihn, stirnseits, mit ernsthaftem Runzeln ob er dir eine beliebige Kopie deines Schlüssels anfertigen könne Damit kämest du zwar niemals dort hinein aber die Illusion, du hättest einst eines gehabt ist somit gerettet. Selbst wenn der Schuster auf Händen und Füßen fast ringend beteuerte er könne zwar Sohlen aus Leder machen niemals jedoch Schlüssel aus Metall und diesen speziellen sowieso nicht dann kauftest du ihm halt die Sohlen ab weil du versucht wärest, dich in Versuchung zu führen das Unmögliche doch noch möglich zu machen. Die Illusion der heilen Welt wird Wirklichkeit! Das hieße allerdings Bomben nach sonstwo tragen von mir aus auch nach Athen. Gestern hast du dich bei einem merkwürdigen Traum erwischt. Du hast dir, aus Angst geschworen, nicht der Urheber desselben gewesen zu sein. Du hast dich aus Angst entschlossen, darüber zu schweigen. Du hast sie in dem Traum sehr klar gesehen. Du hast sie entführt, du bist ihr an die Wäsche gegangen, du hast sie erstochen, du hast sie im Wald verscharrt. So gegen 3 Uhr in der Früh bist du plötzlich schweißüberströmt aufgewacht und fandest dich betend im Bett vor, wobei deine blutüberströmten Hände noch lang nichts bewiesen. Mein Gott, die Bettdecke war übersäät von modrigem Laub und dem Dreck der Zivilisation. Flaschen, Dosen, Unterhosen und am Fußende lachte sich der Torso des geköpften Oberförsters eins in die Tasche, während aus weiter Ferne ein fraglicher Ruf ins Zimmer schallte: DER KAFFEE IST FERTIG! Wer ehrlich träumt, dem wird auch geholfen. Womöglich bin ich selbst betroffen. Darum sind mir Lügner auch nicht lieb obwohl ich eigentlich alle lieb habe, und gerade sie, die Lügner mir die Liebsten sind die mir ihr Gift in die Augen streuen als schmierte man mir unbeschwert Remoulade aufs Brötchen und lachte sich dabei von mir aus noch eins in den Hosenbund. Habt ihr gehört? Er will sich einen Schlüssel aus Leder anfertigen lassen! Den Gefallen tun wir ihm doch gern Für diesen Unsinn wird er bluten dieser Verrückte habt ihr gehört? er sucht ein Zuhause, ein Zimmer, einen Raum worin er sich unbeobachtet fühlt er sucht ein Reich, wo er sein darf, der hängt doch ab und dazu ist ihm jedes Mittel recht. der sieht doch die Gnome tanzen! der zieht sich aus, für jeden! Ha! Wie schön für uns. Natürlich leidet er, aber das muß man ihn ja nicht unbedingt wissen lassen schließlich machen wir das Geschäft mit ihm und er ist, in seiner Eigenschaft als Kunde, freiwillig an uns herangetreten Komm komm kleiner Mann, komm her, schau hin wie ich dir deinen ledernen Schlüssel zu deinem Heim fertige! macht 439 Mark, kein Pappenstiel, doch dann bist du endlich frei. VON ALLEM! Ha Ha!! Wenn ich sie wenigstens bedauern könnte. Wenn ich sie wenigstens betrauern könnte. Lieber Gott, lass mich sie bitte einmal aus vollem Herzen hassen dürfen! nicht die Anderen, nicht die Welt! nicht die Kinder, nicht das Zelt! nicht das Reh! nicht die Blume! nicht den Baum! nicht die Krume! Dann wäre der Krieg im Kopf und auf Erden von jetzt auf gleich vorbei. Dann säh ich die Schrecken des Krieges, dann säh ich die Freuden des Friedens, dann wüßte ich, was zu tun ist. Wenn wenigstens der Krieg im Kopf ein bischen vorbei wäre, das Rattern der Kettensäge verstummte. Das reichte mir schon Wenn sich die linke Gehirnhälfte der rechten wenigstens ein bischen annäherte. sofern es mich in die Lage versetzte, an Boden zu gewinnen, was es bestimmt täte, dann wärs ja schon gut weil ich dann wüßte, dass die Heimat endgültig verloren ist eine recht zweifelhafte Heimat, die es leider nie gegeben hat ich bete übrigens jeden Tag aber das interessiert anscheinend Keinen, Niemand, noch mich selbst so recht, obwohl gerade Beten und vor allem die Klage, selbst in den unterschiedlichsten Kulturen von zentraler Bedeutung ist. schau ich zurück, seh ich nur Tod und Verzweiflung schau ich nach vorn, seh ich, daß auch ich einmal werde sterben müssen beseh ich mich im Spiegel, dann denke ich immer: Ach, diese Leiche schon wieder. Die Zeit mahnt zur Eile. (ein paar Tage haben wir wohl noch) Ein Versuch halt, ein ewiger, niemals fruchtender Halt-Versuch ist mein Schreiben. eine unsägliche Enttäuschung, die mir als größte Hoffnung verkauft wurde, würde somit ERLEBBAR. Vergangenheit würde durch Gegenwart ersetzt und diese Mühe, sich zu verstellen, fiel einem wie wackere Steine vom Herzen. Dann gäbs auch endlich was zu sehen. Dann würde der alles bestimmende Klumpen im Kopf wie eine Eiterblase zerplatzen und man sähe am Besten so etwas wie Licht am Ende dieser langen Reise durch die Zeit. Das Leben ist ein einziges Fest der Masken, ein großer Karneval, in dem es passiert. Mir sind im Verlauf meines Lebens schon viele Menschen begegnet, doch nie hatte ich den Eindruck, sie stünden wirklich auf meiner Seite. Sind sie womöglich die Lügner, die ich beschreibe? Warum sonst wurde unlängst gesagt, man hätte Angst vor meiner impulsiven Haltung? Ist sie nicht einer Darstellung wert? Nicht Kunst ist Deformation. Sie stellt unser deformiertes Leben nur dar und hat sich zur Aufgabe gemacht, wir mögen endlich zur Besinnung kommen. Kunst, wenn sie denn echt ist, ist die Preisgabe der formatierten Seele. Kunst ist, so gesehen, eine Leichenschau, denn nur im Extrem ist sie machbar, nicht immer, aber immer öfter. Vergangenheit hat oft die Konsistenz von Pattex. Zehn Minuten warten und dann hält es. Sie klebt, garantiert, sogar die Zukunft fest, von der Gegenwart ganz zu schweigen. Darum hat auch der Teufel den Schnaps gemacht und Gott den Messwein erfunden. Darum passt der Spitz auch auf und der Mensch ärgert sich nicht. Gut, dass er sein Spiel beherrscht. Ich ernähre mich seit ich denken kann allein vom sich ständig vermehrenden Manna des Erlösers und werds nicht recht satt, obwohl sich alternative Energieen im lukrativen Preisgewande durchaus anböten. Es fällt mir wie halbierte Brötchen sehr mannigfach auf den Kopf, die ich später, als Schuppen getarnt, minutiös aus den Haaren wasche. Irgendwann hat mans halt raus womöglich ist es gar nicht der Erlöser, sondern nur ein Engel oder ein halbes Hähnchen, weil da auch knusprig verbrannte Flügel dran sind, Kann ich noch ein Alt haben, bitte? Salz und Pfeffer? Sowieso Amen! Hinsetzen. Buch aufschlagen. Seite 412, aus dem ff, Kapitel 16. Zeile ZWO. Jeder Mensch wird so spielend zum Tier, jeder Mann kann auch Frau sein. Rock oder Hose, das macht erst den Unterschied, und der ist erheblich, wenn nicht gar erblich bedingt. Ich bin halt noch blutjunger Anfänger und warte seit Stunden auf meine erste sinnbringende Erektion. ICH KANN NICHT, darf hier jetzt nicht Ausrede sein. So gesellt sich das Eine zum Anderen in seinem überfüllten Terminkalender: Leider konnte man zum rechten Zeitpunkt wegen Reizüberflutung nicht am rechten Ort sein. Ein Goldhamster, den ich kürzlich, die wildesten Kapriolen schlagend in Tante Olgas Laufrad vorfand, behauptete von sich, nicht der Hamster, sondern die Tante zu sein. Da die Tante sonst nirgends aufzufinden war, glaubte ich dem Hamster auf Grund meiner Erfahrung sofort. Wenn man es so sieht, bin ich die Krankenschwester des Irrenhauses in der SCHÜTTELKOPFSTRASSE 24. Ich könnte also regulativ ins Geschehen eingreifen. Wunder würden dann vielleicht schneller geheilt werden können. Früher oder später gäbs womöglich die Regel, von der man gar nicht mehr weiß, daß sie die Ausnahme ist. Selbst beruflich wär mir das recht, manchmal sogar mehr als weniger. Ich bin ein Solcher, dem die Schmäh, wie das Schmieren selbst weder Hüh noch Hott bedeutet. Ich bin halt bloß ein kackfrecher Philosoph, dem die punktierte Unterhose mitunter quer unterhalb der Knieschenkel baumelt, die Notdurft trockenen Fußes zu verrichten! Ich bin schon ein sehr ein Stubenreiner. Ich bin schon ein sehr ein Schlauer. Ich bin ein sehr ein rechter parteiloser Rübenbauer. Sammler bin ich, nichts als Sammler. Gammler bin ich, nichts als ein Gammler der seelischen Tiefsee, aus der die unverzeihlichen Kraken kommen. Ich gewann, warum auch immer, ein Beil. Es war auf den ersten Blick sehr neu und schien darüberhinaus unbenutzt. Ich übergab das Beil halt schnell an meine unkontrollierte Mutter, die, fernab dieser Welt ihrem Albtraum gehörig tribut zollte. Ich mußte schweigen. Das wars. So etabliert man sich halt schnell, besonders hier, bei den Bedürftigen. Ich bin zudem ein sehr ein einarmiger Bandit! Ich verarmte doch nachträglich sehr und begann das Sammeln verschiedener Interessen. Es gibt Welche, die sammeln lose Blätter, legen sie zum Trocknen zwischen die Seiten schwerer Bücher, um sie Monate später in einer Mappe zu archivieren. Sie tragen die Blätter fast überall mit sich herum und halten sie nicht ohne Stolz, oft fast bedrohlich erklärend ihren Freunden und Verwandten unter sich rümpfende Nasen. Es gibt auch Welche, die ihren Trieben gemäß wohlriechende Seifen sammeln, bunte Gummiteufel oder gleichnamige Bärchen, Schnupftabak vielleicht, rosarote Panzer oder getragene Unterwäsche verdorbener Dorfjungfern, welche sie an gleichnamigen Leinen, die quer durch ihre Wohnzimmer gespannt sind, stolz zur Schau stellen. Andere begnügen sich womöglich nicht mit exkrementiertem Textil, sondern versteifen sich fest auf die Schrumpfkopfsammlung ihrer Trägerinnen. Ich kenne sogar einen Menschen, der durchaus bewohnbare Hochhäuser aus abgebrannten Streichhölzern baut, hernach er sie in Glasvitrinen zur Schau stellt, wo sie, wie sollten sie auch anders, bereitwillig vor sich hingammeln, um entweder als große Kunst bewundert zu werden oder als Werke des Teufels gebührend zu verachten sind. Kunst ist kein Schlager. Sie will aufrütteln, ja erschrecken. Es muß einem im Halse steckenbleiben, sonst ist es keine Kunst, obwohl es ganz zweifellos eine Kunst ist, dem inneren Grauen zu entfliehen zumal Feuer-Zeugen dank fortschreitender Automatisierung dem Holz gehörig den Boden genommen haben. Was bleibt ist die Sehnsucht nach schwefeligem Geruch, wie die Hoffnung, er möge bald vergehen. Wie aber wird ein Erstarrter als Beispiel ein Bild namens ERSTARRUNG interpretieren? Ich sage euch, er wird es verwünschen, weil es ihn unweigerlich in die Nähe seiner Konflikte brächte, vor denen er sich fürchtet wie der Uhu vor dem laublosen Baum. So kann er nur lieb Kind sein. Ihm fehlt sein Wesen. Er tut nur so, als ob er sei und fährt die Schiene des Erfolges, während sich vor ihm mittlerweile ein Berg aufgetürmt hat, der höher als der Mount Everest ist. Und obwohl er ihn überdeutlich sieht, schaut er an ihm vorbei. Er kann auf Grund seiner Situation gar nicht anders, als sich in was weiß ich zu verwandeln. Die eigenen Konflikte mutieren mühelos zu Weltkonflikten. Irgendwo hat jeder seine verklammerte Kammer, aus der heraus sich die Welt erklärt. Man will ja nur sein Leben retten, nichts als die nackte Haut und geht gerade deswegen dabei drauf. Das Lied des kleinen Feiglings Oh Welt! Oh weh Wie ich dich seh Du bist mir nicht geheuer ich kriech dir in den Arsch du nennst das Abenteuer Oh Welt! Oh weh wie ich dich hasse wie ich dich doch stauche wie ich dich doch lasse! Kein Mensch kann etwas für seine Psycho-Logik. Sie ist wie ein Brandzeichen, das dem zu schlachtenden Rind kurz vor der Schlachtung zur Archivierung zuteil wird. Ein Schiff aus abgebrannten Feuerzeugen zu bauen, wäre ungleich einfacher, ist aber wegen der Explosionsgefahr bis heute sehr aussagekräftig verboten. In SUMMA SUMARUM gesellt sich zum Spiel also der tödliche Ernst, der Kampf um die Existenz. Man kann quasi sagen, gesellt er sich wie selbstverständlich noch hinzu, lacht oft und wirkt auf den ersten Blick hin, niemals lebensfeindlich. Man sagt zwar, der Feind stecke grundsätzlich im Detail, jedoch ist eine gleichnamige Person mir weder bekannt, noch verschwägert. Aber gerade weil der Feind im Detail steckt, gibt es einen, der jenseits jeglicher Kritik zu bekämpfen ist. Feindschaft, wie die daraus resultierende Lebensaufgabe der zwanghaften Verteidigung, macht mich nicht glücklich. Sie schlägt sich nieder in Verhinderung des Seins, Verleugnnung des Körpers, Verschlankung der ureigensten Bedürfnisse aufs Minimale (ich glaube, mir ist gerade ein Fuß abgefallen. Na ja, ich hab ja noch einen. Das gleiche gilt übrigens auch für die Zähne, wenngleich man ungleich mehr davon hat als Füße. Mit dem Kopf wäre ich allerdings vorsichtig. Wenn einem dort eine Plombe herausfiele, dann käme man womöglich ans Nachdenken. Wäre das Zentrum davon betroffen, dann lägen die Gedanken jetzt auf der Straße und erfreuten sich reger Beliebtheit. ) MORANDUM KURIOSUM FAMILIARE Nicht umsonst heißt dieser Mensch also zwangsläufig ZÜND, PINOCCIO ZÜND. Sein Vater, Gott hab ihn selig, war leidenschaftlicher Pfeifenraucher. Seine legendäre Teersammlung, die er vornehmlich in seiner Lunge eher schüchtern verwahrte, zählt mit zu dem Besten, was ich je gesehen habe. Er starb entgegen jedweder Logik eher unwillig im Alter von Hundertzwölf, nicht zart, aber real. Straßenbau, das wärs doch gewesen. So hat ein Jeder seine Leidenschaft. Das ist auch gut so, denn straffe Bindung an den Kern hat noch Niemanden so recht weitergebracht. Ich zum Beispiel sammle im Raum stehende, nie ausgesprochene Worte aus unsäglichen Tiefen, die jedwede Annäherung praktisch verhindern. Man glaubt ja gar nicht, wieviele davon noch herumschwirren. Es ist interessant, sie zu beobachten, sie auf sich einwirken zu lassen, sie zu deuten, sie zu verfälschen, sie im wahrsten Sinne des Wortes zu legendisieren. Diese Worte waren einst Gefühle, unsere wahren, entscheidenden Gefühle, und diese Worte sind, so unecht ich hier mit diesen Worten auch noch so gefühllos dastehen mag, ganz und gar nicht aus der Luft gegriffen. Sie kommen weder von Gott, noch von einem fremden Stern, sondern aus einem selbst. Tiefe kann man nicht erlernen. Tiefe hat ein Jeder erfahren und stellt sie zwangsläufig auch dar, irgendwie. Das Böse geht dabei über den Ladentisch wie gern verkaufte Ware, die darüber hinaus unzählige Abnehmer findet. Erzählt mir doch keine Märchen! Tiefe hat also ein Jeder in sich. Was man daraus macht, bleibt somit jedem selbst überlassen, solange keiner dabei zu Schaden kommt. Nur leider sind viele dabei zu Schaden gekommen und schaden sich noch heute, weil sie dem Schaden, den eigentlich der Andere hat, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind und selber daran Schaden nehmen werden, solange sie den Schaden des Anderen, der sich in Glorifizierung äußert, nicht als Verleugnung dessen Schwäche erkennen. Verleugnung von Schwäche ist immer auch Verleugnung der Menschlichkeit und so mancher Prediger fällt dabei Arg auf die Schnauze. Ich wünsche diesen Predigern von ganzem Herzen den Zusammenbruch ihrer zerstörerischen Gerüste. Ich möchte sie in ihrer ganzen Verlorenheit wimmernd und wütend am Boden sehen, denn dies bedeutete das Ende ihrer Vergeltungswünsche, weil sie so erführen, daß ihre vermeintliche Macht nur Abwehr dieser schrecklichen Ohnmacht ist, mit deren Hilfe sie sich als Kind einst einrüsten mußten. Bei Gott und der Welt, bei Satan und der Hölle! Dieses Hobby ist wahrlich ein schwer zu betreibendes. Es braucht womöglich Jahrzehte der Reifung, bis man die Früchte dieser Saat endlich straffrei verzehren kann. Deswegen soll es auch hier erklärt werden. Es begann damit, daß mich eines trüben Tages während der Überfahrt von Hamburg nach Tel Aviv recht derbe der Schiffskoller traf. Ich hing für Stunden abwesend gebeugt über die Reling und kotzte ins unsägliche Blau des Meeres. Mein erbärmlicher Zustand fand jedoch keinerlei Beachtung bei den Passagieren. Einzig eine Ziege, welche einem ägyptischen Schafesammler ganz unbeabsichtigt von der Leine gegangen war, fraß mir in freundlicher Manier genüßlich die Schnürsenkel von den Schuhen. Das Essen an Bord war schlecht, die Bedienung grob und unfreundlich, Messer wurden oft mit Gabeln verwechselt und anstatt Gerichten reichte man leere Teller, auf denen noch Spuren von Spülmittel schwammen. Die heiß begehrten Hupfdolls waren prüde und steif. Sie konnten ja nicht mal richtig nach Musik tanzen. Dem uns anfeuernden Trommler, ein aufgeblasener Pygmäe aus dem symbiotischen Urwald, waren aus zunächst unerfindlichen Gründen die Augen gebunden. Obwohl mir das Ruder längst abgebrochen war, tat ich so, als ob ich tätig sei. Dem Trommler konnte das unmöglich auffallen, denn er schätzte gerade die Blindheit, in welcher er seine betäubenden Paukenschläge fabrizierte, ungemein. Was ihn, wie mich gleichermaßen zu bewegen schien, waren Worte, leere, wild durch die Luft schwirrende verstörende Worte, die sich wie kreischende Möwen auf ihn zu stürzen drohten. Möglicherweise war das ja der Grund, weswegen man ihm die Augen verbunden hatte. Wäre es nicht hilfreich gewesen, man hätte ihm zusätzlich noch Watte in die Ohren gestopft? Es waren dies unzweifelhaft die Worte des Kapitäns, den man seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hatte. Vermutlich war er längst gestorben, doch sein Weltbild lebte fort, da dessen Kabine auf dem Achterdeck sich noch emporwand wie ein düster dreinschauendes verrostetes Industriedenkmal und man niemals wissen konnte, ob sich nicht vielleicht doch noch einmal die Türe dort öffnen würde und er hinausträte, das Urteil zu verkünden, das einem zustand. Daran gab es keinen Zweifel, zumal der Himmel voller Worte hing, die, wie gesagt erst noch erklärt werden würden müssen. Der Himmel war klar und rein wie am jüngsten Tage. Delphine begleiteten das Schiff. Einzig der Koch bequemte sich kurz urinierend aus der Küche, die Konsistenz der Sauce Hollandaise zu verfeinern, die wir alle so sehr schätzten. Wir waren nicht weit vom Festland entfernt. Eines Tages zogen die ohnehin morschen Planken des führerlosen Schiffes bedenklich knirschend endlich eine tiefe geradlinige Furche quer durch die Natürlichkeit der seit Jahrtausenden unberührten Asymmetrie Landnaher Korallenriffe. Der Weg ist das Ziel! Es war dies die erste Furche zur Kultivierung einer unsäglich deformierten Flora. Eine Frische Briese gab mächtig Fahrt. Die Ruderer wurden zum Kartoffelschälen abkommandiert. Ich mußte das Schild polieren, wo einmal das Beiboot zur Flucht vor dem Untergang hing. Der blinde Trommler tat, da er nichts sah auch weiterhin seinen Dienst. Wer sich allerdings über ihn lustig machte, dem schnitt man die Kehle durch und warf ihn ungefragt über Bord. Je länger der Prozess währte, desto kürzer war das Elend, das man Händeringend erwartete dareinst gewesen. Der uneingeschränkte Glaube an das Urteil versetzte allerdings nichts, sondern führte nur zu eben diesem. Das Urteil war ja längst gesprochen, dessen Vollzug bereits in vollem Gange, der Prozess, nur eine Farce der Selbstverständlichkeit, der man sich nichts als beugen konnte. Ich nahm, wie jedes Kind alle Schuld dieser Welt bereitwillig auf mich und begab mich in das idyllische Quadrat meiner Zelle. Das war ja beispielhaft konsequent. Um auch einmal kurz auf Piraten zu sprechen zu kommen: Diese Angst war freilich immer da. Barbaren gab es schließlich genug. zurück | Kurzgeschichten | Schnipsel | Gedichte |