ZAUBERER



Es waren einmal zwei Zauberer. Der eine hieß Waldemar, und der andere wollte mir seinen Namen nicht sagen. Es kann auch sein, daß er seinen Namen selbst nicht mehr wußte. Nun, das lag dann bestimmt an seiner Zauberei, die er zwar unprofessionell aber dennoch mit Leidenschaft betrieb. Ich denke mal, daß er seinen Namen gerade auf Grund seiner leidenschaftlichen Zauberei vergessen hatte, - mal war er ein Kaninchen, das aus einem Zylinder hervorkroch, mal verwandelte er sich auch in den freundlichen Portier vom Hotel gegenüber. Wie soll man da auf die Dauer noch wissen, wie man wirklich heißt.
Um es nicht allzu sehr zu verkomplizieren, nenne ich diesen namenlosen, zweiten Zauberer jetzt einfach mal...hm...ok, ich habs, - ich nenne ihn auch Waldemar. Warum? Ganz einfach. Waldemar und Waldemar waren eineiige Zwillinge. Sie ähnelten sich sehr, so daß beide nur Waldemar heißen konnten, logisch. Sie unterschieden sich in nichts so sehr voneinander, als daß Waldemar stets von sich behauptete, er könne besser zaubern als der andere. Und so war es auch, ob ihrs glaubt oder nicht.
Waldemar lief Waldemar, was die Zauberei anging, regelmäßig den Rang ab. Nachdem Waldemar eines dieser typischen Kaninchen aus seinem Hut hervorgezaubert hatte, konterte Waldemar mindestens mit einem Wüstenfuchs oder einer Filzlaus, - Tiere, die er ebenso artgerecht aus dem Zylinder hervorzuziehen wußte, wie sein Bruder, - den Wüstenfuchs an den Ohren, die Filzlaus unter Zuhilfenahme einer winzigen Pinzette.

Einige Verzauberte Eines Tages fand in Berlin ein internationaler Zauberwettbewerb statt. Es lockten Preise in Millionenhöhe. Die drei besten Zauberer sollten auf der Stelle wohlhabend werden. Als Waldemar davon erfuhr, meldete er sich sofort dort an, ließ Waldemar aber nichts davon wissen. So begegneten sie sich denn ehr zufällig im Bahnhof Zoo. Natürlich kannten sie sich nicht, - Waldemar, der das Aussehen von David Copperfield angenommen hatte, stolzierte hocherhobenen Hauptes an Waldemar vorbei, der als Claudia Schiffer Autogramme verteilend am Bahnsteig stand. Als sich ihre Blicke kurz trafen, waren sie wie verzaubert. Ob es in diesem Fall Liebe auf den ersten Blick war mag ich an dieser Stelle aber bezweifeln.

Der Wettkampf war alles andere als leicht. Der Veranstalter verlangte selbst Unmögliches von den Teilnehmern, die bis auf einige wenige schon in der Vorrunde, als es darum ging, eine junge Frau zu zersägen, ausschieden. Die Ausgeschiedenen kannten den Trick nicht. Weil sie aber unbedingt ins Viertelfinale kommen wollten, gingen sie schon in der Vorrunde über Leichen. Ihnen droht nun der Staatsanwalt mit einer Anklage wegen heimtückischen Mordes.

Ganz anders erging es Waldemar. Er kannte den Trick. Er wußte, daß er nur weiterkommen würde, wenn die zu zersägende Dame nach dem Zersägen quicklebendig aus dem sie umschließenden Behältnis springen würde, was sie Gott sei Dank auch tat. Der Trick war ganz einfach: Man mußte der Dame nur sagen, daß sie ihren Bauch und ihre Beine einziehen sollte, damit die Klinge sie beim Zersägen nicht zerteilte. So einfach war das. Der andere Waldemar erwischte leider noch den kleinen Zeh der Dame. Er konnte sich nach einer Bedenkzeit der Jury trotzdem für die zweite Runde qualifizieren. Die Dame lachte zwar nicht mehr, aber sie lebte ja schließlich noch. Das war der Grund.

Die zu lösenden Aufgaben der zweiten Runde offenbarten sich als ungleich schwieriger. Die Zauberer sollten ohne jegliche Hilfsmittel mindestens eine Minute lang etwa einen Meter über dem Boden auf dem Rücken liegend in der Luft schwebend verharren. - eine kaum zu bewerkstelligende Aufgabe. Auch in dieser Runde dominierten wieder die Waldemars, die dank ihres »Heilfastens« leichter als Luft waren.

Beim Gongschlag zur Eröffnung der dritten Runde mußten aber selbst die Waldemars schlucken. Es galt, ein Gewicht von eintausend Tonnen einarmig zu stemmen. Hierzu verpflichteten sie schnellstmöglich eine Transportfirma, die binnen Sekunden einen gläsernen, unsichtbaren Kran zur Verfügung stellte. Trotz all dieser Schwierigkeiten blieb der Kran letztendlich unentdeckt, so daß die beiden Waldemars sich im Finale Aug in Aug gegenüberstanden. So wurde Waldemar schließlich doch noch Sieger über einen Kollegen namens Waldemar,



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